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April 29 --- Nicht, dass ich alle Banken in Schutz nehmen möchte, aber…

 

Politik drängt Banken zur Kreditvergabe (FTD) -

 

und gleichzeitiges Senken von Risiken ist gar nicht so einfach. Und irgendwie steht das unsinnige und unreflektierte Verkaufen von Krediten ja auch im Zusammenhang mit Blasen. Ach, und von wegen seriöser Statistik etc: Lt. FTD berichten 41,6% der Unternehmen von restriktiver Kreditvergabe der Banken. Hört sich furchtbar an, trotzdem würde mich interessieren, wie das vor der Krise aussah.

 

Nachtrag: Lt. Ifo, die diesen Index berechnen, ist er im Vergleich zum Vormonat sogar gesunken.

 

 

 

 

April 28 --- Trotzdem gibt es Zukunft… Aber wie sieht sie aus?

 

To discover what comes next, maybe we should look upwards. Skylines provide the simplest test of what a society values, and where its surpluses are controlled. A few centuries ago the greatest buildings in the world’s cities were forts, churches and temples; then for a time they became palaces. Briefly in the 19th century civic buildings, railway stations and museums overshadowed them. And then in the late 20th century everywhere they were banks. Few believe that they will be for much longer. But what will come next—great leisure palaces and sports stadiums; universities and art galleries; water towers and hanging gardens; or perhaps biotech empires? We need to rekindle our capacity to imagine, and to see through the still-gathering storm to what lies beyond.

 

(Geklaut – Referenz fehlt mir aber, Geoff Mulgan in irgendeinem Blog)

 

 

 

 

April 28 --- Wenn es schon wieder losgeht, dann richtig.

 

Nein, ich hab nicht zuviel Zeit neben der Arbeit. Abwrackprämie. Was war das denn? Ein Beschäftigungskonzept für Mikroökonometriker, die noch in Generationen versuchen werden auszurechnen, wie groß der Effekt der Prämie wirklich war. Sonst ist alles schon dazu gesagt worden, außer folgendem Argument (ich bitte um Copyright & Credits!):

 

Verzerrte Anreize dazu, sich etwas sogar auf Kredit anzuschaffen… Leute kaufen sich jetzt ein Auto, wo man eigentlich sein Risiko reduzieren sollte. Wenn es nächstes Jahr 1 Mio. Arbeitslose mehr gibt, von denen sich leider zu viele ein Auto auf Kredit gekauft haben, den sie nicht mehr zurückzahlen können, dann platzt die nächste Blase.

 

 

 

 

April 28 --- Ein Jahr später.

 

Auch wenn ich nur noch am Rand damit zu tun habe… Der Aufreger des Tages ist trotzdem da:

 

Altersbezüge sollen auch bei sinkenden Löhnen nicht gekürzt werden.

 

Wir sind in einer Rezession, alle verdienen weniger, weil sie entweder „nur“ keine Boni mehr bekommen oder so richtig viel weniger, weil sie keinen Job mehr haben. Im Schnitt wird jeder um 6% ärmer. Nur die Rentner nicht. So war die Risikoteilung aber nicht abgemacht – von wachsender Lohnsumme profitieren, gegen sinkende Lohnsummen abgesichert sein. Wer zahlt die Versicherungsprämie?

 

 

 

 

Juli 29 --- Bessere Welt

Können wir uns eine Welt vorstellen, in der die Post morgens um 7 kommt und die Müllabfuhr erst um 11? Statt umgekehrt?

 

 

Juli 9 --- Tags, die zu meinem Profil passen (Laut OpenBC)
 

cad entwickler entwicklung futtermittel intern internet it java konstruktion legehennen maschinenbau mastgeflügel mischfutter nx optimierung produktentwicklung programmierer rind sap schwein softwareentwicklung sql teamcenter techniker unigraphics wissenschaftler

Ich glaube, ich muss an meinem Profil arbeiten. Dringend.

 

 

Juli 9 --- Moralische Dilemmata

Gestern, Dr. House. Entweder wird ein Leben gerettet, oder was „moralische Richtiges“ getan, nämlich die Wahrheit gesagt. Ausnahmsweise wurde dieses Dilemma schön dargestellt; nämlich wirklich als Dilemma. Wer auf die Wahrheit besteht, nimmt damit den Tod von Leben in Kauf. Ähnliches bei Organspenden: Die Seite, die Handel in Organen verboten lassen will, muss ihrer Moral zurechnen, dass das Menschenleben kostet. Leider wird dieses Dilemma, nämlich: Organhandel ist eigentlich böse, aber Tod von Menschen auch, nur verkürzt auf: Handel in Organen ist böse.

 

 

Juli 1, 2008 --- Denk mal darüber nach.

There’s a reason elite schools speak of training leaders, not thinkers — holders of power, not its critics. (William Deresiewicz)

 

 

Februar 12, 2008 --- Du, lieber Braumeister!

Seit wann duzt Du mich auch auf der grünen Flasche? Dabei war doch das gepflegte "Sie" zum Pilsgenuss der Grund, von der durchsichtig-goldenen Flasche abzusehen und das Original zu kaufen!

 

 

 

Dezember 4, 2007 --- Kurz vor Nikolaus.

Long time no see. Oder: Über das Tragen von Risiko. In einigen Bereichen des Lebens wird der Bürger aufgefordert (es wird ihm aufgezwungen), mehr Risiken als bislang zu tragen. So ist das der Fall für die unsichere Rendite der Investition in Humankapital durch Studiengebühren, die in jedem Fall bis zur Pfändungsfreigrenze zurück gezahlt werden müssen, unabhängig davon, ob die Rendite überhaupt positiv war. Ebenso im Falle der (freiwilligen) privaten Versicherung gewisser medizinischer Leistungen, die nicht (mehr) im Katalog der Pflichtversicherung enthalten sind, bei der Absicherung des Lebensstandards bei Arbeitslosigkeit von länger als einem Jahr (durch Selbstversicherung, also Sparen). Bei der Sicherung des Lebensstandards nach dem Ende des Erwerbslebens durch Selbstversicherung oder private Versicherung. Die verschiedensten - eigentlich unternehmerischen - Risiken werden von Unternehmen an Arbeitgeber abgegeben (Zeitverträge, Freelancer). Das ist ja auch die klassische Forderung: "Die Deutschen müssen risikobereiter werden!" Wie seltsam.

Welches plötzlich aufgetauchte Risiko muss aber um jeden Preis durch den Staat versichert werden? Nämlich das, Opfer eines Anschlags zu werden.

Und alle bezahlen die Prämie, höchst direkt durch die Kosten für Kameras, Polizei, Bundeswehreinsätze (so gut sie auch alle begründet sein mögen), aber eben auch indirekt, durch die Aufgabe von Freiheiten, durch die zwangsweise Abgabe von Informationen. Und dieser Teil der Prämie dürfte sich langfristig als höher erweisen als die rein monetären Kosten. Außerdem versichert hier in Wirklichkeit ein Bürger den anderen, durch seine Bereitschaft "dem Staat" ein Opfer dadurch zu bringen, ein (oder mehrere?) eventuelle andere Leben durch sein eigenes Abschießen-Lassen zu retten.

Oder versichern die Bürger hier nicht auch die Regierung? Dadurch, dass sie versucht, ihr Handeln in Extremfällen ex ante zu legitimieren (und den Bürgern damit Kosten aufzubürden, Kosten bis zur Höhe des eigenen Lebens), um sich eben selbst abzusichern für den Fall der Fälle?

 

 

 

August 16, 2007 --- Lehr und der Tod.

Bevor es in Vergessenheit gerät, nutze ich die Seite doch als Notizbuch. Der Herr Lehr hat es schon mit dem Tod, und das gehört zusammengefasst. In 42 stellt sich heraus, dass das zeitlose Wandeln durch die Welt die "Zeit" nach dem Tod ist - man bleibt zwar in der Welt, aber die Zeit bleibt für einen stehen, man wird nicht mehr "gezeitigt", wie der Protagonist in Zweiwasser kurz anmerkt (wo, nebenbei, im beinahe gleichen Absatz auch kurz ein neuer Teilchenbeschleuniger erwähnt wird). Solange man jeden Tag eine neue Zeitung kaufen kann, lebt man also noch. Unklar bleibt, wie es möglich ist, dass die Zeit einmal drei Sekunden weiter geht, was nur heißen kann, dass die Toten nochmals drei Sekunden geschenkt bekamen.

Dagegen ist die Vorstellung in Die Erhörung eine andere; Anton bekommt hier offenbart, dass jeder jedes Leben führen wird, jedes Leben, was je geführt wurde, gelebt wird, und noch gelebt werden wird. "Im Tod sind alle gleich" ist daher neu zu verstehen, weil durch das Leben aller Leben jede individuelle Seele sich allen anderen annähert und zu Gleichheit konvergiert (die sie aber nie erreicht, wenn die Menschheit nicht ausstirbt). Unklar bleibt hier, ob sich die Seele das "nächste" Leben, was sie führen will, aussuchen kann oder nicht und wo die Seelen eigentlich herkommen (gibt es neue, oder ist ihre Zahl von Beginn an abgeschlossen?). Interessant ist die Verbindung zum Buddhismus und der Wiedergeburt (die allerdings nicht-menschliches Leben einschließt); das Ziel dort ist das Nirvana, also die Nicht-mehr-Wiedergeburt, was dem Grenzwert von Lehr entspricht, der allerdings nicht durch eigene Kraft bzw. Wohlverhalten erreicht werden kann. Trotzdem behält individuelle Schuld eine ebenso individuelle Komponente; auch wenn jeder sowohl Opfer als auch Täter ist, zwingt er durch sein Verhalten auch allen anderen diese Rolle auf; lässt man einmal einem Menschen Leid widerfahren, lässt man es allen widerfahren (bemerke den christlichen Bezug: "Was Du dem Geringsten angetan hast, hast Du mir angetan", sinngemäß).

Jedes geführte Leben ist somit zweierlei: Nämlich nur ein Beispiel (WIR SIND NUR EIN BEISPIEL!) für die menschliche Existenz, als auch DAS Beispiel bzw. der Archetyp.

Der Mann könnte Religionsstifter werden; entweder weiß er etwas, er tut so als wisse er was, oder er erfindet recht gut.

 

 

 

Juli 25, 2007 --- Helden und andere.

Nochmals kurz zu Helden und denen, die hinter ihnen aufräumen: Ist zwar total Buddha-lastig dieser Satz, aber er passt hier: Einen Baum zu fällen macht mehr Krach als einen Wald wachsen zu lassen.

 

 

 

Juli 20, 2007 --- Auf dem Weg zur Exzellenz - oder: die familiengerechte Hochschule.

Welche Prinzipien lassen sich in der aktuellen hochschulpolitischen Diskussion leicht rechtfertigen, mit welchen Aussagen findet man schnell Zustimmung? Darunter sicher: Die Universitäten sollten es ihren Studenten nicht absichtlich erschweren, das Studium einigermaßen zügig abzuschließen. Das hängt eng zusammen mit der Erwartung, die an die Zahlung der in Baden-Württemberg fälligen Studiengebühren gebildet wird, nämlich dass für die 500 Euro auch eine Gegenleistung erbracht wird. Daneben steht das Phänomen, dass Akademikerinnen zu wenige Kinder bekommen, was daran liegt, dass insbesondere das erste Kind einer studierten Frau später zur Welt kommt als im Schnitt der Bevölkerung – nämlich tatsächlich erst nach Abschluss des Studiums.

Vor diesem Hintergrund ist es schon böswillig zu nennen, was an der Universität Konstanz einer schwangeren Studentin widerfahren ist. Eine Abschlussprüfung, deren Termin kurz nach der geplanten Geburt des Kindes angesetzt ist, wurde von der Studentin früher erbeten, um das Studium noch vor der Geburt abschließen zu können. Man bemerke, dass es nicht um eine Verschiebung nach hinten ging, die der Kandidatin eine längere Vorbereitungszeit als ihren Kommilitoninnen ermöglicht hätte, sondern um eine freiwillige Verkürzung der Lernphase. Dieses Ansinnen wurde von den prüfenden Professoren abgelehnt, und das Dekanat dieses Fachbereichs bestätigte, dass eine Sonderbehandlung auch im Falle einer Schwangerschaft nicht üblich sei.

Es sind ohnehin nicht gerade viele Frauen (Männer auch nicht), die sich während ihres Studiums auf eine Elternschaft einlassen, vor allem steht wohl kaum zu befürchten, dass eine Schwangerschaft tatsächlich in großem Ausmaß als strategisches Instrument zur Verschiebung von Prüfungen missbraucht werden wird. So hätten die Professoren dem Zertifikat „Familiengerechte Hochschule“, welches der Universität Konstanz im Jahr 2006 vergeben wurde, sehr einfach gerecht werden können. Und haben versagt.

 

 

 

Juli 18, 2007 --- Recycler, II: Blau.

Das Erkennen einer Farbe als blau ist Illusion; nichtsdestotrotz verweigern wir keinem, blau erkennen zu können. Bläue entsteht durch ein physikalisches Phänomen, welches eine physiologische Reaktion hervorruft. Diese wiederum kann ein psychologisches Phänomen bedingen, wie Freude, Antipathie oder ähnliches. Eines dieser psychologischen Phänomene könnte der Wille zum Weglaufen vor der Bläue sein; was bedingt ihn? Das physikalische Phänomen und die physiologische Reaktion. Geschieht die Aktion „Weglaufen“ dann aus freien Stücken? Selbstverständlich! Selbstverständlich ist unser Wille „frei“ innerhalb bestimmter Grenzen, vor Hunger leidend wird sich der Wille nicht auf Kino fokussieren, mit vollem Bauch wird der Wille den Körper kaum zum Schwimmen bringen wollen. Der Wille ist beschränkt durch Nebenbedingungen.

 

 

 

Juli 17, 2007 --- Ölpreis revisited.

Heute Morgen in meiner maßgeblichen Informationsquelle FTD: Der hohe Ölpreis beinhaltet inzwischen weniger eine Risikoprämie (warum auch immer), sondern ist deutliches Zeichen für echte Knappheit des Gutes. Unter anderem liegt das an einer neuen Erkenntnis über die vorhandenen Ölreserven, die tatsächlich knapper sein könnten als bislang vermutet, und der Punkt, an dem die Reserven (bekannte und neu gefundene) tatsächlich anfangen zu schrumpfen ist näher als gedacht. Die "bekannten" Reserven sind einfach die Summe dessen, was die einzelnen ölfördernden Länder berichten. Insbesondere die OPEC Staaten hatten (und haben?) aber einen Anreiz, ihre Reserven zu hoch anzugeben, da die ihnen zugestandene Fördermenge als Anteil ihrer Reserven berechnet wird... It's all incentives, stupid.

 

 

Juli 12, 2007 --- Jetzt neu.

Mit Orange. Weil: Ist so sommerlicher, und irgendwie cool. Was grünes hätte ich auch gern, aber das passt nicht.

 

 

 

Juli 12, 2007 --- Über eine besondere Art Mensch (Mann?)

Es gibt Leute, die glauben, sie regierten die Welt. Und sie glauben, sie täten das zu recht, weil sie nämlich so toll sind. Sie halten sich für Helden, weil sie reich geboren wurden und weil Papa einen Freund in der Politik hat. Das sind die A****löcher. Und dann gibt es die, die dafür sorgen müssen, dass die Welt wieder funktioniert, indem sie hinter den Helden herräumen und den ganzen Mist wieder richten. Aber es gewinnen die Helden, nicht die Putzkolonne.

 

 

 

 

Juli 04, 2007 --- Was nicht sein darf...

... ist auch nicht. Natürlich muss die Lebenserwartung monoton im Einkommen steigen. Und wenn drei Leute finden, dass sie das nicht macht: Tja, dann machen halt alle einen Fehler. Weil eben nichts ist, was nicht pc ist. Es wird Zeit für einen Zwischenruf, nein, nicht ordnungspolitisch, sondern dreckig-empirisch. Pure beauty can be safely left to idealists, the half-beauty and the ugly gives to act to empiricists.

Sonst: Hilfe! Hab irgendein Scheiss-Update gemacht, seitdem ist mein Rechner unfassbar langsam, und: er fährt nicht mehr runter. Wie kann das denn bitte sein?

 

 

 

 

Juni 04, 2007 --- Rostock und ein bisschen Paranoia

Wenn man sich kurz den Luxus gönnt und Samstag keine Nachrichten sieht, dann wird es im Nachhinein etwas schwer sich zusammenzureimen, was da am Samstag in Rostock eigentlich passiert ist. 1000 Verletzte, davon 400 Polizisten, und darauf folgen nur 10 Haftbefehle. Alle sagen, die Polizei hätte sich richtig verhalten, trotzdem wurde offenbar der Einsatzleiter noch Samstag Nacht abgelöst. Man wird mir glauben, wenn ich sage, dass ich die Argumentation der G8- und Globalisierungs-Gegner nicht unbedingt teile; aber wenn nur einen Tag nach diesem Ausbruch die erste Meldung in den Nachrichten auf HR, BR und SWR damit nichts mehr zu tun hat, sondern mit irgendwas, was Frau Merkel zu Herr Busch gesagt hat, dann drängt sich mir heimlich, still und leise der Verdacht auf, dass ich gar nicht so genau wissen soll, wer da wen verprügelt hat und warum. Mal schauen, was die Zeitung dazu sagt. Irgendeiner muss ja dabei gewesen sein.

 

 

 

Mai 29, 2007 --- Zitat aus dem Handelsblatt:

Deutschland im Jahr 2007, das ist ein Land, als sei es regiert von Franz Kafka als Bundeskanzler und George Orwell als Innenminister, der Geißen-Peter hat das Wirtschaftsressort inne und Enid Blyton ist Familienministerin.

 

 

Mai 22, 2007 --- Feler über fehler

Die Anwendung komparativer Statik, und damit folgend auch solcher Ökonomismen wie Punktelastizitäten oder des Enevelope-Theorems erlaubt natürlich nur lokale Aussagen. Ist uns das eigentlich bewusst?

 

 

Mai 22, 2007 --- Achtung, Achtung, eine Durchsage

"Time-consistency is not a well-defined concept in continuous time."

 

 

 

Mai 18, 2007 --- Recycling (I)

Claudia, 22, Studentin der angewandten betrieblichen Wirtschafts- und Subventionslehre an der FH Zwickau, schreibt:

Was auch unglaublich wichtig ist: der enge Kontakt zu den Professoren und Dozenten. Die sind nämlich oft gar nicht so viel älter als wir Studenten, kennen also noch unsere Sorgen und Nöte, mit denen man übrigens immer zu ihnen kommen kann. Das ist für einige Studenten sicher nicht so leicht, damit zurecht zu kommen, sich von gleichaltrigen etwas beibringen zu lassen:  es gibt nämlich einige Praktiker unter uns, vom Abiturienten bis zum 35-jährigen Schreinermeister ist eigentlich alles dabei! Aber gerade das ist ja so befruchtend, die verschiedenen Ansichten kennen zu lernen, und vor allem: auch damit umgehen! Manch einer von denen, die gerade mit der Schule fertig sind, lernt erst mit der Zeit, dass er von einem älteren Kommilitonen noch was lernen kann. Da kann toll zusammen sitzen und diskutieren bis spät in die Nacht, manchmal sogar bis zum Morgengrauen... Aber das sollte man nicht übertreiben, denn das Studium hier ist schon sehr straff organisiert. Das merkt man in der Arbeit in der Gruppe, die hier übrigens sehr groß geschrieben wird und meistens projektorientiert ist. Überhaupt: Man lernt hier viel eher so zu arbeiten, wie man es später im Job mal brauchen wird, Teamwork, sich gemeinsam an einer Sache festbeißen eben. Diese Orientierung an der Praxis schlägt sich überall hin durch, auch auf die Wahlfächer, wie zum Beispiel Förderungspolitik für Osteuropäische Joint-Ventures, die wirklich konkret vermitteln, was man wissen muss, ohne großen theoretischen Überbau. In der Beziehung können wir, glaube ich, auch noch viel von unseren Partneruniversitäten lernen, gerade in Warschau macht man so was nur noch. Von uns kann auch eigentlich jeder mal ein oder zwei Semester ins Ausland gehen, wenn er (oder sie! Die Quote der weiblichen Studenten liegt bei über 50%!) will. Das ist auch langsam in den Firmen angekommen, dass die Märkte Westeuropa und Amerika langsam abgegrast sind, im Osten kann man da noch viel machen. Sicher, die Lebensverhältnisse sind während der Monate in der Ukraine zum Beispiel nicht so, wie wir es von Muttern gewohnt sind. Aber der intensive Kontakt zu den „einheimischen“ Studenten entschädigt für vieles. Der Verzicht auf Dinge, die für uns so alltäglich sind, prägt auch und schweißt zusammen. Da wachsen Freundschaften für’s Leben! Außerdem werden wir ja auch hier schon so ein kleines bisschen daran gewöhnt, jedenfalls die, die das Glück hatten, in einem der alten Plattenbauten unter zu kommen. Das mit den Rechtsradikalen in diesen Vierteln ist auch gar nicht so schlimm, wie es in den West-Zeitungen immer beschrieben wird, man muss sich halt arrangieren. Also, ich jedenfalls bereue es überhaupt nicht, von der ZVS hierher gelost worden zu sein!

 

 

 

Mai 16, 2007 --- Absurd!

Geschenkt, ich benutze "absurd" ein bisschen inflationär. Aber wenn man mal seinen BMI ausrechnet, um dann trotz mittlerer Erfolge IMMER noch bei Übergewicht zu landen... Und dann, merkt auf, ist die Untergrenze eines männlichen Normalgewichts mit einem BMI von 20 definiert. Das entspricht bei meiner Körpergröße einem Gewicht von knapp UNTER 65 Kilo. Es sei denn: ich kann nicht Windows-Taschenrechner-Tippen. Übersetzt jedenfalls auf meine persönliche Situation hieße das, ich müsste irgendwo etwas weniger als 20 Kilo wegnehmen. Hallo-ho? Ich glaube ja gern, dass wir dekadenten Westeuropäer alle allzu fett sind -- aber ein Mann mit eins-achtzig, der unter 65 Kilo wiegt, soll normalgewichtig sein? Da scheitert es doch eher an der Definition, sach ich ma. 

 

 

Mai 09, 2007 --- Konservative, Update

Sarkozy lässt sich auf eine Yacht einladen und versteht nicht einmal, "über was hier gestritten wird".

 

 

Mai 08, 2007 --- Konservative

Wenn man heute morgen liest, was passiert ist, dann sind es mal wieder die Konservativen auf der Welt, die das Recht gepachtet haben. Söder (vielleicht ist es bei ihm auch schon Fatalismus) bedroht beinah den Bundespräsident, ohne auch nur annähernd ein bisschen Respekt vor dem geltenden Recht zu haben. Seine Moral ist ja, wie immer bei den Konservativen, höher als das Recht. (Ach, von Ehrenworten mag ich nicht sprechen.) Wolfowitz: Erst ein ganzes Land in den Krieg stürzen, dann Löcher in den Socken haben und meinen, der Freundin mal was gutes tun zu müssen. Wenn man als Konservativer selbst gegen das Gesetz verstößt, ist das nicht so schlimm, weil: qua Selbstdefinition ist das ja nicht gefährlich, sondern im Gegenteil sogar staatstragend.

Kinder, wann lernt Ihr endlich, dass es auch andere Meinungen gibt, die genauso (und vielleicht mehr) auf einer Ethik beruhen als Eure eigene.

 

 

 

Mai 04, 2007 --- Wenn im Mai die Schwimmbäder wieder uffmache...

... dann wird es kalt. Ist doch klar. Aber angenehm, für wenige Sekunden, auch wenn das "Gewitter" aus genau drei Regentropfen bestand.

Nun zu etwas völlig anderem: Weltschmerz. Nein, hab ich nicht. Die Diskussion geht der Frage nach, ob dieses Phänomen etwas spezifisch deutsches ist oder nicht. Ich hatte da eine sehr feste Meinung zu (ja), aber hier zunächst mal die Argumente, die nicht von mir sind, sondern zusammengetragen.

Dafür sprechen: (1) Der Begriff wurde von einem Deutschen geprägt (Jean Paul) und (2) hauptsächlich von Deutschen Autoren aufgegriffen (Heine etc.). (3) Den Romantikern unterstellt man eh, dass sie anstatt an der französischen Atlantikküste Austern zu schlürfen in den Wald gehen um zu sinnieren. (4) Es gibt in der Tat lokal begrenzte psychische Phänomene (googeln Sie doch mal Koro...). (5) Der Begriff wird in vielen Sprachen als Germanismus verwendet. Manche Germanismen (Blitzkrieg) sind deshalb welche, weil sie gerade ein deutsches Phänomen bezeichnen.

Dagegen sprechen: (1) Nur weil das Phänomen als erstes in Deutschland beschrieben wurde, muss es nicht spezifisch deutsch sein. Vergleiche Otto Hahn und die Kernspaltung. (2) Der Begriff wurde auch schon in der Anfangszeit nicht nur von deutschsprachigen Autoren benutzt. (3) Die Definition (irgendwas mit Leiden an der Imperfektion der Welt) ist sehr nah an der Theodizee, und das ist nun wirklich kein deutsches Phänomen.

Rejoinder: Das Phänomen, ein Phänomen wie den Weltschmerz zu beschreiben, das ist typisch deutsch... Mache sich der geneigte Leser ein eigenes Bild! Back to real work!

 

 

 

Apr 27, 2007 --- Kaum verlinkt...

Schon offline. Mein Einfluss ist enorm.

 

 

Apr 24, 2007 --- Modern Times.

Ist es ein Zeichen guter oder schlechter Korrespondenz, wenn eine eMail den folgenden Betreff hat?

Re: Antwort: Re: Antwort: Re: Antwort: Re: hallo!

 

 

Apr 24, 2007 --- Wie lautet eigentlich das Substantiv von "subversiv"?

Jetzt passt mal auf. Hier kommt er, der Link: arcade.blogg.de! Weißt Bescheid, keine Haftung für dieses neoliberale, menschenverachtende Tagebuch. Von diesem Link abgesehen, ist mein Logbuch schon das einzig lesenswerte im ganzen Internet, wie ich finde. Seien sie ehrlich, ist doch so, wer sich auskennt, wird es bestätigen.

Noch zwei wichtige Ansagen: Ich unterstütze Helmut Kohl auch nicht dabei, den Friedensnobelpreis zu bekommen. So schäbig das auch sein mag, aber seit langem und vor allem zu Unrecht in Vergessenheit geraten: Kohl hat die Spender immer noch nicht genannt!

Und jetzt die zweite wichtige Durchsage, auch wenn das hier alles, aber auch alles mit mir in Verbindung gebracht werden kann (soll!): Achtung, Achtung! Ich finde Konservative eher doof! Huch, was für eine Überraschung.

 

 

 

Apr 23, 2007 --- Sunshine

Will gar nicht lange drum herum reden: Ich war ein wenig enttäuscht. Am meisten darüber, dass noch keiner der Kritiker darauf hingewiesen hat, wie nah dieser Film an Event Horizon ist. Hat wohl keiner gesehen - und wenn auf "2001" Bezug genommen wird, dann doch auch mit den falschen Zitaten. Und ehrlich: WAS sieht an dem Film aus wie bei "Alien"?

Parallelen zu Event Horizon:

-- Die Form der Raumschiffe

-- Das Berühren oder Überschreiten des Event Horizon (bei Sunshine erst ganz am Ende)

-- Das Schiff aus der "ersten" Mission, was verlassen gefunden wird

-- Die Bruchstücke von Logbuch-Aufzeichnungen des ersten Schiffs (die verworren und ein bisschen mystisch sind)

-- Die Angst und Gott-Anmaßung

-- Die Infiltrierung des neuen, "gesunden" Schiffs mit dem Bösen von der ersten Mission (bei E.H. erst am Ende)

-- Das "Sehen"

-- Na gut, die Form der Schiffe nicht so sehr. Hab grad nachgeschaut.

 

 

Apr 23, 2007 --- Wollen vs Müssen

Kann es sein, dass es sowas wie "müssen" gar nicht gibt? Es ist nur ein "Wollen" angesichts ernster Konsquenzen...

 

 

Apr 18, 2007 --- Ich plappere einfach weiter.

Wer weiß, warum - aber heute bin ich ein großes Plappermaul. Weil nämlich, was muss man hören oder lesen, der Innenminister zweifelt die Unschuldsvermutung an. Als drückte der erste Tag seit drei Wochen ohne puren Sonnenschein nicht schon genug auf's Gemüt.

 

 

Apr 18, 2007 --- Aufreger des Monats

Der erste Aufreger ist natürlich, dass ZWEI Einträge am GLEICHEN Tag erscheinen. Verrückt, geht das überhaupt? Der eigentliche Aufreger aber ist der folgende, und die Nation schreit auf:

Ikea hat das Billy-Eckregal aus dem Programm genommen!

Stattdessen muss man jetzt z.B. ein schmales (d.h. 40cm) Billy-Regal nehmen und in der Ecke eben über Eck stellen. Oder, alternativ, ein bis zwei dieser zur Billy-Serie passenden CD-Regale. Wahnsinn.

 

 

 

Apr 18, 2007 --- Metaphorisch

Wie schön wäre es, könnte man Taten und Worte, die man bereut, so ungeschehen machen, wie Öttinger es versucht. Als ob die Bitte um Entschuldigung dieselbe schon garantieren würde. (Schlimmer noch, die meisten sagen ja "ich entschuldige mich" und erteilen sich damit sozusagen selbst Absolution.) Die zweite Methode: etwas Gesagtes "zurücknehmen". Als gäbe es tatsächlich die Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern. Lieber Herr Öttinger, wie sehr wünsche ich mir, manches nicht gesagt zu haben, und ich bin weder im Fernsehen, noch habe ich Berater oder Redenschreiber. Aber das läuft so nicht.

Außerdem nehme ich unserem MP nicht ab, inzwischen wirklich eine andere Meinung zu haben. Er hat nur Angst wegen der Folgen, ohne wirklich Einsicht in den Fehler zu gewinnen. Und selbst Einsicht allein wäre noch nicht genug.

Aber "da es die Höflichkeit gebietet" (schlecht zitiert, weil mal wieder nicht wörtlich), nimmt man eine Entschuldigung auch an. Ihre, Herr Öttinger, aber nur unter Auflagen. Machen Sie doch mal Urlaub von der Politik. Achja, und wenn es mit dem "Entschuldigen" und "Zurücknehmen" doch noch klappen sollte, dann verraten Sie mir, wie.

 

 

 

 

Apr 17, 2007 --- Verbietet Amokläufe, Teil 2

Nein, doch nicht. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Aber Hauptsache, den Waffenbesitz weiter verteidigen, kam eigentlich schon ein Zusammenhang zu Counter Strike zu Lichte? Es ist zu deprimierend, alle Berichte zu lesen.

Deshalb: Eine Auflistung der Überwachungstatbestände, die ärgerlich sind (ohne Beleg, weil: ich verlinke ja nicht).

(1) Die Mautdaten waren nicht besonders lang der Strafverfolgung entzogen. Ein öffentlichkeitswirksamer Mord, ein Verdächtiger Trucker, seither ist es Standard, die Daten zu benutzen.

(2) In Hamburg konnte man den Ort eines Verbrechens auf eine Handy-Zelle festlegen. Alle 300 Mobilnutzer, die zur entsprechenden Zeit in dieser Zelle angemeldet waren, wurden überprüft.

(3) Um das biometrische Foto (ist das eigentlich gesund?) und später die Fingerabdrücke auf den RFID-Chip zu bekommen, muss man sie erst mal digitalisieren. Bislang behauptet man wenigstens noch, sie würden gelöscht. Unser Innenminister hat aber schon angekündigt, dass das nicht so bleiben muss - dann gäbe es langfristig eine Datei mit den Fingerabdrücken aller Bürger.

(4) Wer in einem bestimmten Zeitraum 79,90 per Kreditkarte über einen internationalen Zahlungsabwickler gezahlt hat, ist überprüft worden. Ist ja auch eine krumme Summe.

So, nur damit es mal dokumentiert ist und nicht (siehe die Maschinerie, wie sie arbeitet) so schnell vergessen wird.

 

 

 

Apr 16, 2007 --- Bah, und schon wieder da.

Nun ist es ja schön, nicht mehr allein in Marokko zu sein (Nacken verbrannt, Koffer weg, Air France ist der letzte Mist), aber ob im Büro sitzen die wahre Alternative ist? Waaaah. Und ein ganz, ganz großer Berg Arbeit.

Dafür: Weil Thomas Mann selbst im Frühling schon ein wenig zu schwer für den See ist, wurde gestern der Schnelllesrekord für "Vollidiot" gebrochen. Ich glaube, insgesamt unter zwei Stunden. Das Komische: Weil ich einen einzigen Trailer mit Pocher gesehen hab, musste ich also zwei Stunden an ihn denken - auch nicht schön! Ganz ehrlich: Musste schon ab und zu mal lachen, aber insgesamt ist das alles eher traurig.

Jetzt hoffe ich ausschließlich, nicht allein nach Budapest zu fahren.

 

 

Apr 03, 2007 --- Up, up and away...

Und auf nach Marokko. Morgen früh schon! Daher in den nächsten Tagen noch weniger (als ob das möglich wäre!) an Neuigkeiten. Hoffentlich sprechen sie auf der Konferenz auch Englisch mit mir, sonst sitz ich aber dumm da. Ich sehe mich schon im Sammeltaxi und im weißen Leinenanzug durch die Wüste fahren, neben mir eine 90jährige koptische Christin, die von mir die letzte Ölung verlangt. Die Geier kreisen am Himmel, und einzig die Hutkrempe spendet noch Schatten. Aber wenigstens: Kohletabletten und Immodium Akut ist eingepackt!

Bin äußerst gespannt. Vom Skifahren in die Wüste innerhalb von drei Tagen - das ist doch sehr Citoyen-haft, nicht?

 

 

Mar 30, 2007 --- Um die Wette bloggen.

Trotz guten Wetters, zerschundenen Schienbeinen und einem sowas-von-halbfertigen Gauss-Code im Fenster rechts vom HTML-Editor ist es Zeit für Kommentare! Hauptgrund: Das Konkurrenzblog, dessen Link ich vielleicht entgegen aller Ansagen demnächst hier posten werde. Vielleicht finden Sie es aber auch so, werte Leser - Der Titel hat was mit meiner letzt-gekauften Platte zu tun!

Letzte Aufregungs-erregende Umfrage hingegen: Die Opfer von Verbrechen können nicht verstehen, dass Frau Mohnhaupt freigelassen wird, während sie ja immer noch Opfer bleiben. Meine hanebüchenen Thesen dazu: Ich bin (1) froh, kein Opfer zu sein und (2) froh, dass Opfer von Verbrechen nicht die Strafe bestimmen. Wie schwer ist es eigentlich zu begreifen, dass der Abstand von persönlicher Rache und Fehde DAS konstituierende Merkmal und DIE wichtigste Begründung für einen Staat ist? Rache ist seit etwa 2500 Jahren nicht mehr die Begründung für Strafe, sondern Invidual- und Kollektivprävention - also den Täter davon abzuhalten, die Tat zu wiederholen und andere davor abzuschrecken, es dem Täter gleichzutun. Die Gesellschaft oder der Staat hat kein Recht auf Rache, eben weil sie (er?) außerhalb der Mitglieder nicht mal ein Recht auf Existenz hat.

Nächster Punkt: Die Kapitalismuskritik von Herr Klar. Pffft. Die ist doch total pille-palle harmlos. Ich bin ja eh dafür, dass man als Bürger eines Staates wie dieses zauberhaften hier durchaus gegen Kapitalismus sein darf. (Keine Sorge, ich bin nicht dagegen.) Und was der Herr Klar da so gesagt hat, das hört man (so vermute ich) auf einer durchschnittlichen DGB-Kundgebung sicher auch. Gut, das könnte jetzt natürlich auch als gutes Argument gegen DGB-Kundgebungen verstanden werden.

Sonst: Könnte mir mal jemand sagen, um was es bei "Intervention" geht? Ich vermute ja, dass es was mit den Amerikanern zu tun hat, die nicht auf dem College waren (also sprich: im Irak sind). Und die Kirche, für die gearbeitet wird, sind natürlich die NeoCons. Aber das kann auch alles ganz, ganz falsch sein.

Und noch ein Motto des Tages, betreffend die Arbeit:

"We are artists. We are mathematicians. Some of us hold extremely high positions."

 

 

Mar 13, 2007 --- Dementi.

Und so komme ich endlich meiner Pflicht nach und veröffentliche eine Richtigstellung. Im Gegensatz zu dem, was ich im Eintrag des 7. Februar behauptet habe, schrieb die Leserin:

"Das ist mit die unspektakulärste Seite, die ich je gesehen habe." Ich habe zwar viele Internetseiten gesehen, aber alle noch nicht. Ich bin daher sicher, es gibt noch was unspektakuläreres.

Sie hat natürlich Recht!

Daneben ist in den letzten Wochen zuviel passiert, als dass mich die Politik oder sonstiges, was ich mir hier erlaube zu kommentieren, noch interessiert hätte. Zu Beginn deshalb nur: Ich finde nämlich doch, dass Rezzo S. am Nockherberg nicht nur betrunken aussah, sondern es bestimmt auch war.

 

 

Feb 19, 2007 --- Lange nichts gesagt.

Schon bald zwei Wochen ist es her, dass hier der letzte Eintrag erschien. Ist denn gar nichts passiert in der Welt, über das man sich echauffieren könnte? Sicherlich! Aber: Der Herr Merz hat keine Lust mehr, und plötzlich wird er einem sympathisch, die Gesundheitsreform ist durch, und siehe, zwei Elemente sind vielleicht gar nicht so arg (der Einstieg in die Steuerfinanzierung und der Quasi-Kontrahierungszwang für private Versicherer) und sonst... eine Art Altersweisheit vielleicht.

Deshalb: Wall Street gesehen, zum ersten Mal. Ich frage mich, wie dieser Film Mitte der 80er von seinem Publikum verstanden wurde. Entweder sind damals nur BWLer rein gegangen oder man hat sich an Martin Sheen und Michael Douglas ergötzt. ("Reich mir mal den LBO-Bericht rüber!") Heute, ja, da ist man mit dem Verständnis der Finanzmärkte in der Masse einen kleinen Schritt weiter, immerhin hat ja fast jeder Geld mit der Telekom verloren, aber damals? Dabei werden dort viele Dinge gesagt, die heute immer noch ihre Gültigkeit haben - "Warum schlagen Fondsmanager nie den Index? Weil sie Schafe sind, und Schafe werden geschlachtet." Wie wahr, siehe dazu die ZEIT von letzten Donnerstag: Und wenn sie ihn mal schlagen, den Index, dann lassen sie es sich auch noch extra vergüten.

 

 

Feb 7, 2007 --- Der schönste Satz

Der allerschönste, um der Wahrheit die Ehre zu geben: "Und wir würfeln einen Dreierpasch." Grundsätzlich natürlich deshalb, weil ich selbst gern Sätze mit "Und..." beginne. Und außerdem klingt er so weich - es ist vielleicht der weichste Satz überhaupt. Es gibt ja Menschen, die sprechen grundsätzlich sehr weich, bei denen ist der härteste und lauteste Ton das "sch", keine Ahnung, wie die das machen. Der letzte Grund, der nun aber wirklich jeden von der unschlagbaren Schönheit des Satzes überzeugen müsste: Wer würfelt bitte nicht gern einen Dreierpasch? Oder erinnert sich daran, wie er oder sie mal dringend einen benötigt hätte?

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass unter den überaus zahlreichen Besuchern dieser Seite eine (Besucherin) sie (die Seite) tatsächlich als "die mit Abstand unspektakulärste des gesamten Internet" bezeichnet hat? Eigentlich bedauerlich, dass es dafür keinen Award gibt, den ich gewinnen könnte, ganz sicher. Aber vielleicht sollte ich (abseits vom faden Inhalt) betonen, dass sich das (ebenso fade) Layout an sehr, sehr frühen Formen von graphischen Benutzeroberflächen orientiert. So passen Inhalt und Form wenigstens zusammen!

Bevor es mir wieder jemand wegschnappt und für 40 Brazillionen an irgendeine Firma verkauft: Ich mache demnächst auch in Web 2.0 und eröffne ein Portal. Netzwerke, in denen man Leute die man kennt und mag mit sich verbinden kann, gibt es schon einige. Leider kann man nirgendwo angeben, wen man nicht mag! Ich hab grad mal geschaut: www.arschliste.de und www.a-liste.de sind noch frei. Wenn ich dann noch als Spin-Off die Golfabschläge von der Yacht auf dem Bodensee...

 

 

Feb 1, 2007 --- Mahnmal.

Weil ich gerade was gelesen habe... Nicht, weil ich zuviel Zeit an der Arbeit hab, sondern weil ich warte - Spiegel Online berichtet heute über Sehen und Nicht-Verstehen beim Holocaust-Mahnmal in Berlin (naja, Elftklässler und Bela von den Ärzten sind es, die nichts verstehen). Das ist doch eine tolle Gelegenheit, mein eigenes Verstehen davon zu Protokoll zu geben. Für die, die es noch nicht gesehen, oder besser: betreten haben: Es sind ich-weiss-nicht-wie-viele Stelen aus blankem Beton, die alle verschieden hoch sind, aber die Höhen sind nicht zufällig verteilt. Die höchsten Stelen (deutlich größer als ein Mensch, vielleicht vier Meter?) stehen in der Mitte des Quadrats, die flachen, keinen halben Meter hoch, stehen am Rand. Es gibt aber eine weitere Eigenschaft - der Boden selbst senkt sich zur Mitte hinab, schüsselartig, so dass man vom Rand aus ohne Probleme jeden anderen Rand sehen kann, also alle Stelen überblickt.

Wählt man nun einen Pfad in diese Matrix aus Stelen hinein, so behält man den Überblick noch eine Weile, obwohl die Stelen höher werden. Es gibt einen Moment, wo alles umschlägt; wo es dunkel wird und man auch diejenigen, die auf anderen Pfaden in der Matrix wandeln nicht mehr sieht. Man wird von diesem Objekt, was man zu überschauen glaubte, verschluckt. Entlang einer anderen Dimension ist das vergleichbar mit Klemperers LTI, in der es ebenfalls auf die Akkumulation von Kleinigkeiten ankommt, deren Elemente vielen verschlossen bleiben. Irgendwann aber ist die Summe der an sich kleinen Elemente so groß geworden, dass man sie nicht mehr kontrollieren kann. So ist das vielleicht mit dem kleinen Mann und dem Faschismus. Er geht einige Schritt mit, und es passiert nichts. Noch ein paar Schritte mehr hinein- und mitgegangen aber und es ist zu spät.

 

 

Jan 30, 2007 --- Von den Büchern.

Warum lesen wir? Weil ein Leben und die Menge der Erfahrungen, die man in ihm machen kann zu klein sind. Weil die durch lesen angeeignete potentielle Biographie die Endgültigkeit von Entscheidungen aufhebt: Wir leben determiniert durch unsere eigene Vergangenheit, können uns aber vorstellen, anders zu sein oder anderes zu tun, vorausgesetzt: Unsere Geschichte wäre eine andere. (Zwei Doppelpunkte hintereinander - geht das?) Gleichzeitig, Empathie-begabt, können wir uns vorstellen, dass wir nicht die ersten sind, die unsere eigenen Gedanken denken, sondern dass es irgendwann einmal einen anderen gab, der ähnliches dachte. Wir sollten wissen, zu welchem Ergebnis der andere kam, was einem zwar das eigene Denken nicht erspart, die eigenen Schlüsse aber relativiert.

 

 

 

Jan 24, 2007 --- Überzeugungstäter.

An Tagen wie diesem - mit Schnee draußen und viel Frieden im Gemüt - möchte man manchmal die Welt verbessern und alle Menschen davon überzeugen mitzumachen. An solchen Tagen schreibt man einen Kommentar in einen Forums-Thread seiner Wahl, vernünftig, wohlüberlegt und allen Erfahrungen zum Trotze. Dann stellt man ein, dass man bei neuen Beiträgen per Mail benachrichtigt wird und freut sich, wenn die erste kommt. Auch noch bei der zweiten. Bei der vierzigsten Mail nicht mehr so sehr, vor allem wenn man liest, wie sich der Thread entwickelt hat, nämlich zu einem absurden Theater von Neurotikern, die offenbar trotz unglaublich beeindruckender Profile den ganzen Tag nichts zu tun haben als sich zu streiten um des Streites willen. Keine Spur von Vernunft, von Einsicht. Spätestens auf Seite zwölf wird entweder der erste als Nazi beschimpft oder Luhmann zitiert, gern auch beides, was nicht heißt, dass jemand als Luhmann beschimpft wird etc.

Das Zeitgeschehen kann ich nicht kommentieren, weil (sicher wegen des Schnees) meine Zeitung heute morgen noch nicht da war, sondern nur der rosafarbene Zettel mit "Sorry...". Wie unangenehm, dass meine Zeitung dieses Wort verwendet.

 

 

 

Jan 22, 2007 --- Steinkohle

Die Kosten der Steinkohleförderung übersteigen die Subventionen, so steht es heute morgen in der Zeitung. Ein Schreibfehler? Sollte der Verlust eines privaten Unternehmens nicht dadurch definiert sein, dass die Kosten die Erlöse übersteigen? Nun, wenn Subventionen die einzigen Erlöse sind... Wenn wir diese Industrie schon unbedingt am Tropf lassen, dann sollte sie ehrlicherweise verstaatlicht werden. Sonst: 56 Klicks bei OBC, ich glaube, das ist mein Rekord. Schade, dass es nicht so weitergeht - ein Einmaleffekt, sozusagen!

 

 

 

Jan 08, 2007 --- Frohes Neues, auf uns!

Natürlich ist es noch sehr ungewohnt, 2007 zu schreiben. Was fiel so auf? Ein Übersetzungsfehler! Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Übersetzer von Filmen so können, und das behaupte ich, mit einem ziemlich wissenschaftlichen, un-idiomatischen Englisch. Zwar hab ich schon lange kein "Aber nur einer zur Zeit!" mehr gehört, das mag aber nur daran liegen, dass die Mindestanforderung für Filmübersetzer auf 4 Jahre Schulenglisch angehoben wurde. Nun also, in dieser Julia-Roberts-als-Kunstlehrerin-Schmonzette am Wochenende (die gar nicht so übel war...) fiel der Satz: "Da drüben sitzen die Joneses. Nach denen ist das Sprichwort 'stell dich gut mit den Joneses' benannt."

Ich wette, dass dieses Sprichwort im Original "Keeping up with the Joneses" heißt und damit richtigerweise bedeutet, dass man versucht den Joneses nachzueifern, im Sinne des Strebens nach einem Referenzpunkt oberhalb von einem selbst, vor allem in Sachen Einkommen oder Konsum. Siehe dazu unten den Beitrag über relative Einkommenspositionen...

PS: Dieser Vermutung wird gerade durch den englischen Wikipedia-Beitrag zu diesem Sprichwort bestätigt, in dem eben jener Film "Mona Lisa Smile" als Beispiel für das Sprichwort angeführt wird. Am vierten Mai sind wir wieder bei Ihnen!

 

 

 

Dez 21, 2006 --- Autouni Wolfsburg.

Heute, also eben gerade, bin ich über die "Autouni Wolfsburg" gestolpert. Wie einem die Erkenntnis doch Streiche spielen kann... Aber mal ehrlich: Wer denkt denn da nicht als erstes an Autokino? Wie praktisch, mit dem Auto in die Vorlesung! Ganz im Gegensatz zur Auto-feindlichen Uni "Koblenz"! Daneben reihe ich mich in die Reihe derer ein, die sich zu Weihnachten und zum Jahreswechsel etwas wünschen, und zwar von der Politik: (1) Etwas Demut durch die Einsicht, dass Politik nicht allmächtig ist. (2) Abkehr vom Glauben, die eigene Meinung sei die maßgebliche, mit dem Versuch sie (die Meinung) oder eine daraus folgende Handlungsanweisung anderen aufzuzwingen. (3) Vor jedem 1:30 Kommentar mindestens genauso lange nachdenken. Von allen anderen Menschen wünsche ich mir, dass sie ihre Animositäten überdenken und vielleicht zu dem Schluss kommen, dass sie nur noch aus Tradition aufrecht erhalten werden.

Was bleibt am letzten Tag im Büro? Nur noch ein Gedanke: Geschanke, Geschanke! Und: Frohe Weihnachten!

 

 

Dez 13, 2006 --- Fürchtet Euch nicht.

Beim Frühstück fiel mir ein, was ich für die wichtigste gesellschaftliche Aufgabe des nächsten Jahrzehnts halte: Den Menschen die Angst zu nehmen. Ich meine damit zweierlei ausdrücklich nicht: Man soll sich nicht gegen alles versichern, oder gar dazu gezwungen werden. Ebenso wenig darf man versuchen, die Risikoeinstellung zu manipulieren. ("Die Deutschen müssen risikofreudiger werden!" - ein beliebtes pseudo-liberales Argument.) Es geht vielmehr darum, dass wir einer unnötigen Unsicherheit ausgesetzt sind, die insbesondere von Politik generiert wird, wo sie eigentlich Schutz bieten sollte.

Es gibt viel, was von der Zukunft nicht gewusst werden kann; von einigem davon kennen wie die Verteilung, das heißt, wir wissen, was potentiell passieren kann, und mit welcher Wahrscheinlichkeit es passiert. Dagegen kann man sich versuchen zu versichern, oder auch nicht. Viel unangenehmer ist das, gegen das wir uns nicht versichern können, weil die Verteilung mutwillig geändert wird oder weil etwas völlig Unvorhergesehenes passiert, was eben nicht einmal mit einer Wahrscheinlichkeit belegt werden kann (dazu zählen keine Erdbeben oder so - deren Wahrscheinlichkeit ist zwar klein, sie kann aber zumindest theoretisch bestimmt werden). Diese Unsicherheit ist eine politische Unsicherheit, und sie wird von falschen Entscheidungen getrieben, die derart erratisch und beliebig sind, dass man sich nur wundern kann.

Passend zu Weihnachten plädiere ich deshalb für eine Politik, die genau zwei Eigenschaften erfüllen muss: Sie muss erstens von Konstanz geprägt sein, was nur möglich ist, wenn sie (zweitens) nachhaltig ist. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen bereit sind, gewisse Risiken zu tragen; nur sollten uns diese Risiken nicht heute genommen und morgen auferlegt werden. Das war jetzt aber genug Grundsätzliches. Nächstens muss ich unbedingt mal wieder über was aktuelles aufregen.

 

 

 

Dez 07, 2006 --- Eine schöne Intrige.

Da in der letzten Woche nichts passiert ist... nichts jedenfalls, was ich Vergnügen hätte zu kommentieren, ist es Zeit weihnachtlich, das heißt: grundsätzlich zu werden. Zuerst dachte ich, ein paar Worte über Pragmatismus vs Idealismus wären angemessen - aber das geht zu schnell und zu einfach. Ich bin für: Idealistisch in den Zielen, pragmatisch bei den Mitteln! Was tautologisch ist! Aber erklären SIE das mal einem, dessen Aufgabe es ist 1:30 Statements abzugeben! Vielleicht heiligt der Zweck dann die Mittel? Nicht, wenn das Ziel den Ausschluss der allerschlimmsten Mittel lexikalisch beinhaltet.

Nächster Punkt: Ich würde gern ein bisschen Politik machen! Eine schöne Intrige! Oder, in größerem Maßstab, gleich eine (Welt-) Verschwörung. Habe nur, ach, bemerken müssen, dass die kleine Politik an und um meinen Arbeitsplatz mir schon auf die Nerven geht, insbesondere jenes "der-kann-mit-dem-nicht" usw. Ein klein wenig Demut würde da sehr gut tun, und Ignoranz ist doch ein völlig ausreichendes Mittel um mit seinen kleinen Animositäten umzugehen. So wäre ich zwar gern Teil, nein, nicht einer Jugendbewegung, sondern einer Verschwörung die sich aber-so-was-von-gewaschen-hat, fürchte aber, die Menschen nicht ausreichend genug zu verachten.

Oder: Wer war's, Siddharta? - ich hab's vergessen - zwar das Leben wichtig nehmen, aber nicht sich selbst. Der Nikolaus hat mir im übrigen 4GB blau eingepacktes Kingston-Hyper-DDR-RAM gebracht. Das Ding heißt wirklich Hyper! Ad propositum (wegen einer kleinen Unsicherheit verzichte ich darauf "apropos" zu sagen, weil es auch "apropo" heißen könnte, oder umgekehrt)! Es ist Zeit, meine Karriere als Songwriter zu forcieren, ich meine, "Respect to the man in the ice cream van", das sollte doch zu toppen sein. Vor neuen Ideen recycle ich alte, die aber noch unveröffentlicht sind:

"I'm your cheeky lover, baby!" -- Dieser Song muss unbedingt mit einer Vokaleinlage, gesprochen von einer Dame, unterlegt werden: "Oh, you are SOOoo mean!"

"Let's climb the tower of obsession" -- Na, das sagt doch alles. Ein heißer Dance-Floor-Feger!

"Mankind, unite!" -- Gut zu Weihnachten! Auch wenn der ursprüngliche Titel anderslautend war. Hab ihn aber vergessen.

 

 

 

Nov 28, 2006 --- Bitte kein Sparplan.

Lieber Herr Althaus, lieber Herr Milbrandt, wenn Sie beide es schaffen, den Ansparplan "Arbeitslosenversicherung" zu verhindern, werde ich kaum noch böse Worte über die Politik verlieren. Mal wieder ein populistisches Instrument, was heimlich von jung zu alt, von ganz arm und ganz reich zu denen in der Mitte verteilt. Gibt es denn niemanden in unserer Gesellschaft, der Hilfe nötiger hat als ein 60jähriger, der in seinem Leben 40 Jahre gearbeitet hat, ohne arbeitslos zu sein? Natürlich soll der gute Mann nicht bestraft werden, aber er braucht doch keine Hilfe! Mal ganz abgesehen von den wahrscheinlich perversen Anreizwirkungen auf Entlassungen von älteren Arbeitnehmern. Und, ich bitte es zu beachten: Auf Spiegel Online fiel gestern in einem Namensbeitrag (von jemandem, dessen Namen ich aber vergessen habe, ein Politologe) das schöne Wort verfassungswidrig. Wobei nicht der Vorschlag, sondern der Status Quo gegen das Grundgesetz sein soll; komisch, dass das in den letzten 40 Jahren noch keiner gemerkt hat.

Ich lege der SPD ans Herz, in dieser Debatte das schöne Wort Solidarität zu benutzen und zu besetzen. Wenn Herr Rüttgers meint, gleiche Behandlung für alle Versicherten sei ungerecht, dann kann die Gegenseite doch sagen, Ungleichbehandlung sei aber unsolidarisch! Wollen wir doch mal sehen, welcher Partei (meinetwegen sogar zu unrecht) zugeschrieben wird, die Gerechtigkeit erfunden zu haben.

Ceterum Censeo: Kohl hat die Spender immer noch nicht genannt. Solch ein ceterum censeo kommt natürlich ans Ende!

 

 

Nov 22, 2006 --- Verbietet Amokläufe!

Am witzigsten ist ja, dass laut SPIEGEL Online von heute die Karte der angeblichen "Geschwister-Scholl-Realschule" in Wirklichkeit die GSS Melsungen zeigt. Ich glaube, ich muss diese Karte unbedingt haben! Ansonsten: Reflexe, Reflexe. Bislang konnte mir noch keiner erklären, warum "Räuber-und-Gendarm" mit  Spielzeuggewehren, die man auf echte Menschen richtet, weniger gefährdend sein soll als (ich sag's jetzt:) "Killerspiele". Vor allem weil dieses Mal das Ablenkungsmanöver zu deutlich ist:

-- Der junge Mann hatte einen Waffenschein. Wie kann bitte ein 18jähriger, der dafür bekannt ist, mit schwarzen Mänteln rumzulaufen einen Waffenschein bekommen? Ich bin mir sicher, dass ich z.B. keinen bekäme, stellte ich heute einen Antrag.

-- Gegen den jungen Mann war bereits ein Verfahren wegen unerlaubten Waffenbesitzes eröffnet. Ich bitte Sie. 18 Jahre alt. Waffenschein. Dazu ein Verfahren wegen weiterer Waffen. Da haben eindeutig die Behörden bzw. der Staat versagt, der jetzt selbst Rauchbomben wirft, um das zu verschleiern.

-- Er stand einsam auf dem Schulhof herum, hat ziemlich seltsame Sachen im Netz veröffentlicht und wurde selbst am Morgen seiner Tat noch von Schülern ausgelacht, weil er mit Mantel und Maske so dämlich aussah. Und das dieser junge Mann austickt, daran ist Counter Strike schuld, genau.

-- Warum darf man Vorderlader ohne weitere Waffenbesitzkarte oder Waffenschein besitzen? Sind die nicht gefährlich, nur weil das Nachladen länger dauert?

-- Nach Littleton hieß es, die Schüler hätten gerade deshalb so gut getroffen, weil sie von Counter Strike trainiert gewesen wären. So gut kann das Training nicht sein - drei Schusswaffen im Inneren eines Gebäudes und (zum Glück) nur Verletzte. Da hat doch kurz vor Schluss noch Beißhemmung eingesetzt.

 

 

Nov 15, 2006 --- Mein Kanzler

Selbst wenn man in meinem Alter (was schon sehr alt ist) uneins darüber ist, ob Schröder ein guter Kanzler war oder nicht, wird er für die ganze Generation ein wichtiger Kanzler bleiben. Schließlich war er es, der Kohl abgelöst hat (der die Spender im übrigen immer noch nicht genannt hat), und bis Schröder kannte ich keinen anderen Kanzler als Kohl. Deshalb steht er symbolisch für die Möglichkeit eines politischen Wechsels, was als solches schon einen Wert darstellt (nicht der Wechsel unbedingt, aber die Möglichkeit desselben).

Bei OBC hab ich mich in einem Forum in eine komische Diskussion verwickeln lassen, die ich fürderhin ignorieren werde. Zum einen kostet es zuviel Zeit; zum anderen hat mein "Gegner" in seinem letzten Posting irgendwas von energetischen Feldern erzählt, und das alles nur, weil ich behauptet habe "the business of business is business", womit einige Moralisten wohl verärgert waren (und zwar genau diejenigen, die in einem diffusen Sumpf von gefühlter Moral schweben, die sie für allgemeinverbindlich halten). Für mich löst diese Art von Diskussion Godwins Law ab, nachdem in einer Forumsdiskussion früher oder später ein unangebrachter Hitlervergleich auftaucht. Ich ecke bei den Leuten grundsätzlich damit an, dass ich behaupte, ihre Vorstellung von Moral sei ja nett und ehrenvoll, es gäbe aber keinen einzigen Grund dafür davon auszugehen, dass sie von allen Menschen geteilt würde. Langweilig.

 

 

 

Nov 10, 2006 --- Zwei Pils

Eigentlich hatte ich mich längst daran gewöhnt, dass bei mehr als zwei Leuten am Tisch am Ende der Rechnung immer "noch zwei Pils offen sind", wie man so schön sagt. Besonders das D. tut sich da hervor, ich glaube, das ist Masche. Aber gestern Abend dann doch der Hammer: "So, und dann haben wir noch 10 Helle und 2 Essen.". Bitte waaaas? Nach Diskussion mit der Dame ("Aber dann muss ich das selbst bezahlen, von meinem Gehalt!") und später ihrer Chefin haben wir uns aber erfolgreich geweigert, das zu übernehmen. Ich meine, wer vergisst denn eben mal, dass er gegessen hat oder doppelt so viel Bier hatte? Außerdem bin ich doch nicht verantwortlich für andere Leute am Tisch, selbst wenn es meine Freunde sind.

Ich sehe da nur zwei Möglichkeiten, und auch dieses Konzept bin ich gern bereit an die Gastronomie zu verkaufen (sollte sich also jemand aus diesem Gewerk hierher verirren, ich arbeite auf Tagessatzbasis):

1) Rückkehr zum Deckel. Wunderbar, jeder hat seinen eigenen, man weiß zu jeder Zeit wieviel man hatte und kann ganz einfach Runden geben ("Schreib's mal hier drauf!"). Das ultimative Ziel ist der Jägerzaun einmal rum.

2) Amerikanische Verhältnisse. Einer muss ganz am Anfang den Tisch mit seiner Kreditkarte eröffnen, mit der am Ende alles bezahlt wird, egal wer es hatte. Wenn man dann nette Leute um sich hat, bleibt man darauf nicht sitzen, sondern teilt die Gesamtsumme durch die Anzahl der Leute, auch wenn der individuelle Konsum unterschiedlich war.

Die Menschheit könnte so glücklich sein.

Nachtrag zu Positive externe Effekte von Armut: Ich bin doch auch ein Schussel. Natürlich gibt es das schon! Wenn von zwei Leuten A weniger hat als B, dann lockert das die Anreizverträglichkeitsbedingungen für B. Dadurch stellt er sich zwar nicht besser, aber der Prinzipal, der irgendwas erreich will.

 

 

 

Nov 8, 2006 --- Verfassungswidrig!

Vielleicht war es schon immer so, aber in letzter Zeit fällt es mir erst auf. Heute in der FTD: Lt. Ramsauer (CSU) müssen Steuerzuschüsse auch an private Krankenkassen gehen, alles andere sei verfassungswidrig. Was für ein Totschlag-Argument! Es erinnert an unangebrachte Hitlervergleiche. Was alles nicht verfassungsgemäß sein soll - alternativ wird auch mal "Enteignung!" gerufen, mit dem Hinweis, diese sei nicht gemäß der Verfassung. Als ob Steuerpflicht nicht genau das gleiche wie Enteignung wäre, und das geht doch auch. Alles nur eine graduelle, keine prinzipielle Frage. Eine Suche nach "verfassungswidrig" auf FTD.de liefert 345 Treffer, Google-News hat 618 (hatte keine Lust, auch noch nach Synonymen zu suchen).

Ich werde das in Zukunft auch für mich in Anspruch nehmen, bei möglichst absurden Gelegenheiten. "So, eine Runde noch, meine Herren!" - "Waaas? Nur noch eine Runde? Das ist verfassungswidrig!" Außerdem ist man in genehmeren Situationen doch schnell dabei, das Grundgesetz auch mal eben zu ändern. Der Verkauf der Luftsicherung ist schon zwei mal von einem Bundespräsidenten nicht unterschrieben worden, der Erlös wird eine vergleichsweise mickrige Milliarde Öre sein. Lässt man es? , lieber mal flott das Grundgesetz ändern. Kein Mensch, der länger als fünf Minuten darüber nachdenkt, möchte dass Flugzeuge abgeschossen werden, die Terroristen an Bord haben könnten, das Gesetz ist völliger Murks. Was tun? Grundgesetz-ändern-wollen. Wahnsinn.

Kein Wunder, dass so viele Leute die Demokratie ablehnen. Hier behaupte ich im übrigen, dass die Frage falsch gestellt war: Es ist irrelevant, ob weniger als die Hälfte der Leute der Demokratie zutrauen, heutige Probleme zu lösen, solange das Vertrauen in andere Regierungsformen noch niedriger ist. Die relevante Frage lautet also, ob man es dem Staat zutraut, unsere Probleme zu lösen. Und das sollte häufiger mal verneint werden, auch wenn ich einen Beitrag weiter unten das Gegenteil vertrete. Es ist - nebenbei - offenbar unmöglich, den Wortlaut und die Einbettung der genauen Frage zu erhalten. Quelle ist "ARD Deutschlandtrend November". Die vollständige Studie kostet bei Infratest dimap €13,50. Das gebe ich lieber nicht aus, sondern zweifle weiter.

PS: Hayek und Myrdal bekommen für eine gegensätzliche Meinung gleichzeitig den Wirtschaftspreis. Phelps (s.u.) bekommt ihn, obwohl/weil er früher das Gegenteil von dem behauptete, was er heute tut. Aber als Abgeordneter darf in ein und derselben Person am gleichen Tag gegensätzliches von sich geben. Ich also auch.

 

 

Nov 2, 2006 --- Umwelt oder die Kosten eines Fehlers

Obwohl ich ja qua Beruf marktgläubig bin, nehme ich den Bericht von Nicholas Stern über den Stand der Dinge in Sachen Ökologie mal zum Anlass, ein interventionistisches Argument zu erläutern. Eins, was ich so auch noch nicht gehört hab - siehe unten, auch hier markiere ich mal vorsichtshalber mein Revier, wenn Greenpeace beraten werden möchte, gegen Geld sehr gern.

Nehmen wir das Öl. Es steht außer Frage, dass die Reserven nicht unendlich sind. Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, wie knapp das Öl tatsächlich ist, und wie gut und schnell die Menschen sich anpassen können, sollte das Öl einmal ganz ausgehen. Der Marktpreis von Öl spiegelt ohne jede Frage seine Knappheit wieder, das ist bei Marktpreisen ja oft so. Allerdings ist diese Knappheit nur als Erwartungswert begreifbar, so dass die tatsächliche Dauer, in der der Öl noch zur Verfügung steht, größer oder kleiner sein kann. Was gleichzeitig bedeutet, dass der Ölpreis zu hoch oder niedrig sein könnte.

Auch das allein ist noch kein Problem; sollten neue Informationen über die Knappheit von Öl bekannt werden (z.B. in Form des überraschenden Versiegens oder der Entdeckung neuer Ölfelder), springt der Preis wieder ins Gleichgewicht, bzw. auf seinen Gleichgewichtspfad. Auf diesem Pfad steigt der Ölpreis stetig an, was auch zu langsamen, stetigen Ausweichreaktionen führt, z.B. durch den stetig steigenden Absatz von Wagen wie dem Toyota Prius. Das ist alles eine reine Reaktion auf Märkten, alles ist wunderbar.

Solche Entwicklungen kann man natürlich forcieren, indem Substitute für Ölverbrauch subventioniert werden, oder die Suche nach ihnen. Was kann jetzt passieren, wenn man das tut und gleichzeitig aber die Ölreserven unterschätzt hat? Dann greift man einer Entwicklung "weg vom Öl" vor, die später als "natürliche" Reaktion ebenfalls eingetreten wäre. Das kostet natürlich Geld. Wenn die Menge der Reserven aber unterschätzt wird, dann ist die sprunghaft notwendige Anpassung an die plötzliche Knappheit ebenfalls teuer, sogar in dem Sinne, dass einige Menschen für eine gewisse Zeit auf Substitute für Öl verzichten müssen, weil sie einfach noch nicht zur Verfügung stehen (und erst entwickelt werden müssen).

Mein Argument ist also: Da wir uns bei der Menge der natürlichen Ressourcen nicht ganz sicher sein können, ist es vielleicht billiger, beim Preis dieser Ressourcen und den damit verbundenen Anreizen auf Substitute auszuweichen, nicht vom Erwartungswert auszugehen, sondern von einem ungünstigeren Szenario. Diese Maßnahme enthält z.B. die Subventionierung der Suche nach alternativen, nicht-endlichen Ressourcen, bzw. die Subventionierung ihres Gebrauchs, und die Besteuerung der knappen Ressource wie Öl. Der Preis (der Effizienzverlust), der dafür gezahlt werden muss, ist eine Art Versicherungsprämie, und ich bin nicht davon überzeugt, dass der freie Markt eine solche Versicherung leistet (oder leisten kann). Ich lasse mich aber gern vom Gegenteil belehren.

 

 

Okt 23, 2006 --- Finanzpolitik

Ich hab's! Bevor es mir jemand wegnimmt, muss das Revier markiert werden. Der nächste Wahlkampf wird völlig anders aussehen. Warum hat die CDU bei der letzten Bundestagswahl fast verloren, oder zumindest nicht so richtig gewonnen? Schröder sagt es: Weil es so unfassbar einfach war, gegen den "Professor aus Heidelberg" zu argumentieren. Das war so einfach, weil die meisten Nicht-Steuerfachleute oder Volkswirte das Prinzip des Grenzsteuersatzes nicht verstehen.

Deshalb verkaufe ich mein neues politisches Konzept: Wir reden nicht mehr über Grenzsteuersätze. Wir reden nur noch über (Durchschnitts-) Steuersätze. Ein konstanter Grenzsatz mit Freibetrag führt so zu im Einkommen steigenden Steuersätzen - na, wenn sich das nicht verkaufen lässt! Finanzministerium, ich komme! Und wehe, der nächste Wahlkampf wird tatsächlich auf dieser Basis geführt, ohne dass ich einen Pfennig dafür gesehen hab.

Zu was schwache Muskeln und dünne, kalte Luft doch führen kann, wenn der Körper langsam Halluzinogene ausschüttet...

 

 

 

Okt 12, 2006 --- Weltverbesserungskommentar

Nichts mit großen Würfen auf dieser Webseite, aber man muss sich ja über das alltägliche schon genug aufregen. Teil 1: Irgendwann werde ich einen Aufsatz mit dem Titel "Politik - Maschinerie des Vergessens" schreiben. Vorgestern prahlt die Regierung mit einem Überschuss von 8 Mrd. Euro aus den Sozialversicherungen im ersten Halbjahr. Haben denn alle vergessen, dass ein Großteil daher stammt, dass die Arbeitgeber die Rentenversicherungsbeiträge seit dem 1. Januar 2 Wochen früher überweisen müssen? Nur in der FTD eine klitzekleine Zeile darüber - wenn man diesen Effekt (der nur einmal auftreten wird, schließlich kann man sich das Geld nicht jedes Jahr aufs neue 2 Wochen früher überweisen lassen) herausrechnet, bleibt ein Überschuss von 3 Mrd. Immer noch toll, aber nicht mehr ganz so wie gedacht.

Teil 2: Ein paar Bundestagsabgeordnete klagen vor dem BVG wegen der geplanten Veröffentlichungspflicht für Nebeneinkünfte von Abgeordneten. Vorn dabei: Friedrich Merz, der meines Wissens nach in mehr als einem Aufsichtsrat sitzt. Sein Argument: Mit diesem Gesetz werden nur noch Beamte und Berufspolitiker ins Parlament wollen, weil sie ja nichts anderes mehr arbeiten können.

Naja.

Erst einmal ist das eine ziemliche Verdrehung der Tatsachen. Nicht die Nebentätigkeit wird verboten, sondern die Einkünfte müssen offen gelegt werden. Wer so sehr dagegen wettert, muss sich schon fragen lassen, warum eigentlich. Außerdem müssen in Deutschland sehr viele Menschen bei sehr vielen Gelegenheiten ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenbaren, z.B. Studenten beim BaföG-Antrag, Hartz-4  Empfänger... Öffentlich Bedienstete müssen sich unter bestimmten Voraussetzungen ihre Nebentätigkeit sogar genehmigen lassen!

Die Alternative ist natürlich eine Herrschaft wie im alten Griechenland - es ist mir egal, woher die Parlamentarier ihr Geld haben. Aber sie bekommen dann auch nichts mehr für ihre Tätigkeit als Abgeordnete.

 

 

Okt 11, 2006 --- Die PKV sieht sich dem Markt hilflos ausgeliefert

So, heute morgen berichtet SPIEGEL Online: "Verbandschef fürchtet 'Vorteilshopping' - Mit Nervosität verfolgen die Privaten Krankenkassen die Pläne der Großen Koalition, den Zugang zu privatem Versicherungsschutz zu erleichtern. PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach befürchtet, dass künftig jeder nur noch die für ihn vorteilhafteste Variante wählen wird."

Liebe PKV, ich gebe zu, den Artikel gar nicht mehr zu Ende gelesen zu haben. Aber entweder, die PKV ist das letzte Bollwerk gegen den "Gesundheitssozialismus", dann dürfen sie sich wohl kaum darüber beschweren, dass ihre Kunden Egoisten sind. Oder aber, und das glaube ich viel eher, der Verband der PKV ist ein Lobbyistenverein besonderer Güte, der es geschafft hat sich derart eng mit der Politik zu verzahnen, dass diese absurde Trennung von GKV und PKV von niemandem mehr in Frage gestellt werden darf, ohne eben als Sozialist zu gelten. Der "freie Markt" ist dabei nur ein Vorwand, vielmehr geht es darum, Pfründe in einem abgeschotteten, quasi-monopolisierten Geschäft zu sichern.

Hoffentlich liest das keiner aus der privaten Versicherungswirtschaft, vielleicht will ich da mal arbeiten.

 

 

Okt 10, 2006 --- Phelps und die Playstation (Oder: Das Alter.)

So, der Herr Phelps also hat den Wirtschaftspreis bekommen. Hoffentlich muss ich keinem erklären, wofür - ich habe das Gefühl, dazu zu jung zu sein. Für meine Generation ist makroökonomische Politik überbewertet (oder liegt das daran, dass ich kaum mit Makro-Leuten zu tun hab), denn das, was funktionieren mag, wie stabile und unabhängige Zentralbanken etc. ist zwar wichtig, inzwischen aber weitgehend automatisiert. Ich bin überzeugt, dass "moderne" Wirtschaftspolitik nicht unbedingt und ausschließlich neoklassisch zu sein hat; bewegen kann man heute aber trotzdem mehr im Kleinen, bei den Anreizstrukturen der verschiedensten Art, als durch das Drehen des ganz großen Rades.

Nicht zu jung und nicht zu alt dagegen bin ich für eine Playstation. Bevor die neue demnächst rauskommt, ist die alte so günstig, dass man sich schon fast überlegen kann, ob man an einem Freitag und Samstag Abend ausgeht oder sich lieber eine PS2 kauft. Jetzt werde ich sicher auch ausgelacht, aber das ertrage ich gern, wenn ich dafür mit einem getunten RX-8 durch die Gegend heizen kann (mehr hab ich noch nicht freigefahren...).

Viel zu alt dagegen bin ich, wenn ich mir als "junger" Streber-Autor noch einen Namen machen will. M. Pessl und J.S. Foer sind meines Jahrgangs und schwer berühmt. Das wird wohl nichts mehr. Also lieber ein bisschen PS2 zocken.
 

 

 

 

Okt 2, 2006 --- Positive externe Effekte von Armut

Ceterum Censeo:
Kohl hat die Spender immer noch nicht genannt.

Wie es so ist, wenn man 4 Tage nur mit Ökonomen zu tun hat und dann heute auch noch mit ihnen Essen geht - absurde Ideen. Wenn Menschen sich gern vergleichen, und entgegen der ausschliesslich-klassischen Theorie nicht nur an ihrer absoluten Position interessiert sind, hat Armut dann positive externe Effekte? Um in einer Gesellschaft eine Position zu erreichen, die in Relation zu anderen gut ist, müssen andere schlechter sein als ich (also z.B. ärmer). Natürlich, das erinnert an den Red Queen Effekt aus Alice im Wunderland, wo man immer rennen muss, um an der Stelle zu bleiben; nur umgekehrt. Aber der anderen Armut macht mich relativ reicher.

Damit wird der Satz "Niemand ist so doof, dass er nicht als schlechtes Beispiel dienen könnte", endlich wissenschaftlich fundiert. Und so unglaubwürdig das auch ist: Ich wette, das gibt es schon längst.
 

 

 

 


Sept 21, 2006 --- Der Papst und Popper

Ceterum Censeo:
Kohl hat die Spender immer noch nicht genannt.

Die Regensburger Vorlesung von Papst Benedikt XVI hat mich zum Nachdenken gebracht. Nicht wegen der Aussagen zum Islam, die für ein Strohfeuer im Gehirn und auch in meiner Erregungssphäre sorgen, sondern das Thema, um welches sich die Vorlesung ursprünglich drehte. Kann allein Vernunft als wissenschaftliche Mittel zum Ziel der Wahrheitsfindung dienen? Um die Antwort vorwegzunehmen: Nein.

Spätestens seit Popper ist Falsifizierbarkeit der Maßstab für Wissenschaftlichkeit. Zunächst soll das Theoriegebäude selbst in sich konsistent sein, als Minimalanforderung, nächstens sollen sich aus diesem Theoriegebäude deduktiv nomologische Hypothesen ableiten lassen, deren Wahrheitsgehalt sich an der Realität messen lassen muss. Eine solche Aussage könnte sein „Alle Schafe sind weiß“. Es sollte nicht lange dauern, diese Aussage zu widerlegen, womit man entweder einen Fehler in der Deduktion gemacht hätte, oder aber einen Fehler in der Theoriesphäre selbst. Eine weitere Aussage wie „Alle Schafe sind Säugetiere“ konnte bislang nicht widerlegt werden*, womit die Theorie, auf der diese Aussage fußt, als vorläufig bestätigt gelten kann.

Nun muss man für die Widerlegung eine Aussage die Realität beobachten, sie messen und muss daher sicher sein, dass die beobachtete Realität deckungsgleich mit der Realität selbst ist. Dieser Transfer mag manchmal einfach sein (ich sehe ein schwarzes Schaf), manchmal etwas komplizierter (ökonometrische Modelle). So einfach diese Beobachtung aber scheinen mag, es bedarf einer weiteren Theorie, der Messtheorie, die den Prozess des Beobachtens erst möglich macht. Und die Messtheorie kann natürlich nicht verifiziert werden, wie jede andere Theorie auch, sondern bestenfalls als „bislang noch nicht falsifiziert“ gelten. Jegliche Wahrheitsfindung benötigt also mindestens die Annahme, die Messtheorie sei wahr, obwohl diese Aussage im Rahmen der Wahrheitsfindung gar nicht erlaubt ist.

Offensichtlich ist das unbefriedigend, und es gibt die verschiedensten Lösungsvorschläge, um sich aus diesem Dilemma zu befreien, sei es der „Hard Core“ oder das „anything goes“. Aber genauso offensichtlich ist es, dass alle Lösungsvorschläge nur mit bestimmten Annahmensets hantieren, an die man glauben muss, da sie axiomatisch sind. Ich komme also zu dem Schluss, das letztgültige Wahrheitsfindung (a) entweder nicht möglich ist oder (b) nicht allein mit den Mitteln der Vernunft möglich ist. Damit soll kein Tor für den Einfall der Religion in die anderen Wissenschaften geöffnet werden, denn es könnte immerhin sein, dass das Ziel einer letztgültigen Wahrheit schlicht ein falsches ist.

 

* Wir wollen mal davon absehen, dass diese Aussage auch eine Tautologie sein könnte, also zwingend, weil eben „Säugetiere“ und „Schafe“ so definiert sind, dass die letzteren als Untermenge der anderen zu gelten haben. Ich bin kein Zoologe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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