|
|
|
|
logbuch
|
|

|
|
|
|
April
29 --- Nicht, dass ich alle Banken in Schutz nehmen möchte, aber…
Politik
drängt Banken zur Kreditvergabe (FTD) -
und gleichzeitiges Senken
von Risiken ist gar nicht so einfach. Und irgendwie steht das unsinnige
und unreflektierte Verkaufen von Krediten ja auch im Zusammenhang mit
Blasen. Ach, und von wegen seriöser Statistik etc: Lt. FTD berichten
41,6% der Unternehmen von restriktiver Kreditvergabe der Banken. Hört
sich furchtbar an, trotzdem würde mich interessieren, wie das vor der
Krise aussah.
Nachtrag: Lt. Ifo, die diesen
Index berechnen, ist er im Vergleich zum Vormonat sogar gesunken.
April
28 --- Trotzdem gibt es Zukunft… Aber wie sieht sie aus?
To discover what comes next, maybe we should
look upwards. Skylines provide the simplest test of what a society
values, and where its surpluses are controlled. A few centuries ago the
greatest buildings in the world’s cities were forts, churches and
temples; then for a time they became palaces. Briefly in the 19th century
civic buildings, railway stations and museums overshadowed them. And then
in the late 20th century everywhere they were banks. Few believe that
they will be for much longer. But what will come next—great leisure
palaces and sports stadiums; universities and art galleries; water towers
and hanging gardens; or perhaps biotech empires? We need to rekindle our
capacity to imagine, and to see through the still-gathering storm to what
lies beyond.
(Geklaut – Referenz fehlt
mir aber, Geoff Mulgan in irgendeinem Blog)
April
28 --- Wenn es schon wieder losgeht, dann richtig.
Nein, ich hab nicht
zuviel Zeit neben der Arbeit. Abwrackprämie. Was war das denn? Ein
Beschäftigungskonzept für Mikroökonometriker,
die noch in Generationen versuchen werden auszurechnen, wie groß der
Effekt der Prämie wirklich war. Sonst ist alles schon dazu gesagt worden,
außer folgendem Argument (ich bitte um Copyright
& Credits!):
Verzerrte Anreize dazu,
sich etwas sogar auf Kredit anzuschaffen… Leute kaufen sich jetzt ein
Auto, wo man eigentlich sein Risiko reduzieren sollte. Wenn es nächstes
Jahr 1 Mio. Arbeitslose mehr gibt, von denen sich leider zu viele ein
Auto auf Kredit gekauft haben, den sie nicht mehr zurückzahlen können,
dann platzt die nächste Blase.
April
28 --- Ein Jahr später.
Auch
wenn
ich nur noch am Rand damit zu tun habe… Der Aufreger
des Tages ist trotzdem da:
Altersbezüge
sollen auch bei sinkenden Löhnen nicht gekürzt werden.
Wir sind in einer
Rezession, alle verdienen weniger, weil sie entweder „nur“ keine Boni mehr bekommen oder so richtig viel weniger, weil
sie keinen Job mehr haben. Im Schnitt wird jeder um 6% ärmer. Nur die
Rentner nicht. So war die Risikoteilung aber nicht abgemacht – von
wachsender Lohnsumme profitieren, gegen sinkende Lohnsummen abgesichert
sein. Wer zahlt die Versicherungsprämie?
Juli
29 --- Bessere Welt
Können wir uns
eine Welt vorstellen, in der die Post morgens um 7 kommt und die
Müllabfuhr erst um 11? Statt umgekehrt?
|
|
|
|
Juli
9 --- Tags, die zu meinem Profil passen (Laut OpenBC)
cad entwickler entwicklung
futtermittel intern internet it java konstruktion
legehennen maschinenbau
mastgeflügel mischfutter
nx optimierung produktentwicklung programmierer
rind sap schwein softwareentwicklung
sql teamcenter techniker unigraphics wissenschaftler
Ich
glaube, ich muss an meinem Profil arbeiten. Dringend.
|
|
|
|
Juli
9 --- Moralische Dilemmata
Gestern,
Dr.
House. Entweder wird ein Leben gerettet, oder was „moralische Richtiges“
getan, nämlich die Wahrheit gesagt. Ausnahmsweise wurde dieses Dilemma
schön dargestellt; nämlich wirklich als Dilemma. Wer auf die Wahrheit
besteht, nimmt damit den Tod von Leben in Kauf. Ähnliches bei
Organspenden: Die Seite, die Handel in Organen verboten lassen will, muss
ihrer Moral zurechnen, dass das Menschenleben kostet. Leider wird dieses
Dilemma, nämlich: Organhandel ist eigentlich böse, aber Tod von Menschen
auch, nur verkürzt auf: Handel in Organen ist böse.
|
|
|
|
Juli 1, 2008 --- Denk mal darüber nach.
There’s a reason elite schools speak of training
leaders, not thinkers — holders of power, not its critics. (William Deresiewicz)
|
|
|
|
Februar 12, 2008 --- Du, lieber Braumeister!
Seit wann
duzt Du mich auch auf der grünen Flasche? Dabei war doch das gepflegte
"Sie" zum Pilsgenuss der Grund, von der durchsichtig-goldenen
Flasche abzusehen und das Original zu kaufen!
|
|
|
|
Dezember 4, 2007 --- Kurz vor Nikolaus.
Long time no see. Oder: Über das Tragen von Risiko. In einigen
Bereichen des Lebens wird der Bürger aufgefordert (es wird ihm aufgezwungen),
mehr Risiken als bislang zu tragen. So ist das der Fall für die unsichere
Rendite der Investition in Humankapital durch Studiengebühren, die in
jedem Fall bis zur Pfändungsfreigrenze zurück gezahlt werden müssen,
unabhängig davon, ob die Rendite überhaupt positiv war. Ebenso im Falle
der (freiwilligen) privaten Versicherung gewisser medizinischer
Leistungen, die nicht (mehr) im Katalog der Pflichtversicherung enthalten
sind, bei der Absicherung des Lebensstandards bei Arbeitslosigkeit von länger
als einem Jahr (durch Selbstversicherung, also Sparen). Bei der Sicherung
des Lebensstandards nach dem Ende des Erwerbslebens durch
Selbstversicherung oder private Versicherung. Die verschiedensten -
eigentlich unternehmerischen - Risiken werden von Unternehmen an
Arbeitgeber abgegeben (Zeitverträge, Freelancer).
Das ist ja auch die klassische Forderung: "Die Deutschen müssen
risikobereiter werden!" Wie seltsam.
Welches
plötzlich aufgetauchte Risiko muss aber um jeden Preis durch den Staat
versichert werden? Nämlich das, Opfer eines Anschlags zu werden.
Und
alle bezahlen die Prämie, höchst direkt durch die Kosten für Kameras,
Polizei, Bundeswehreinsätze (so gut sie auch alle begründet sein mögen),
aber eben auch indirekt, durch die Aufgabe von Freiheiten, durch die
zwangsweise Abgabe von Informationen. Und dieser Teil der Prämie dürfte
sich langfristig als höher erweisen als die rein monetären Kosten.
Außerdem versichert hier in Wirklichkeit ein Bürger den anderen, durch
seine Bereitschaft "dem Staat" ein Opfer dadurch zu bringen,
ein (oder mehrere?) eventuelle andere Leben durch sein eigenes Abschießen-Lassen zu retten.
Oder
versichern die Bürger hier nicht auch die Regierung? Dadurch, dass sie
versucht, ihr Handeln in Extremfällen ex ante zu legitimieren (und den
Bürgern damit Kosten aufzubürden, Kosten bis zur Höhe des eigenen
Lebens), um sich eben selbst abzusichern für den Fall der Fälle?
|
|
|
|
August 16, 2007 --- Lehr und der Tod.
Bevor es in Vergessenheit
gerät, nutze ich die Seite doch als Notizbuch. Der Herr Lehr hat es schon
mit dem Tod, und das gehört zusammengefasst. In 42 stellt sich
heraus, dass das zeitlose Wandeln durch die Welt die "Zeit"
nach dem Tod ist - man bleibt zwar in der Welt, aber die Zeit bleibt für
einen stehen, man wird nicht mehr "gezeitigt", wie der
Protagonist in Zweiwasser kurz anmerkt (wo, nebenbei, im beinahe
gleichen Absatz auch kurz ein neuer Teilchenbeschleuniger erwähnt wird).
Solange man jeden Tag eine neue Zeitung kaufen kann, lebt man also noch.
Unklar bleibt, wie es möglich ist, dass die Zeit einmal drei Sekunden
weiter geht, was nur heißen kann, dass die Toten nochmals drei Sekunden
geschenkt bekamen.
Dagegen
ist die Vorstellung in Die Erhörung eine andere; Anton bekommt
hier offenbart, dass jeder jedes Leben führen wird, jedes Leben, was je
geführt wurde, gelebt wird, und noch gelebt werden wird. "Im Tod
sind alle gleich" ist daher neu zu verstehen, weil durch das Leben
aller Leben jede individuelle Seele sich allen anderen annähert und zu
Gleichheit konvergiert (die sie aber nie erreicht, wenn die Menschheit
nicht ausstirbt). Unklar bleibt hier, ob sich die Seele das
"nächste" Leben, was sie führen will, aussuchen kann oder nicht
und wo die Seelen eigentlich herkommen (gibt es neue, oder ist ihre Zahl
von Beginn an abgeschlossen?). Interessant ist die Verbindung zum
Buddhismus und der Wiedergeburt (die allerdings nicht-menschliches Leben
einschließt); das Ziel dort ist das Nirvana,
also die Nicht-mehr-Wiedergeburt, was dem
Grenzwert von Lehr entspricht, der allerdings nicht durch eigene Kraft
bzw. Wohlverhalten erreicht werden kann. Trotzdem behält individuelle
Schuld eine ebenso individuelle Komponente; auch wenn jeder sowohl Opfer
als auch Täter ist, zwingt er durch sein Verhalten auch allen anderen
diese Rolle auf; lässt man einmal einem Menschen Leid widerfahren, lässt
man es allen widerfahren (bemerke den christlichen Bezug: "Was Du
dem Geringsten angetan hast, hast Du mir angetan", sinngemäß).
Jedes
geführte Leben ist somit zweierlei: Nämlich nur ein Beispiel (WIR SIND
NUR EIN BEISPIEL!) für die menschliche Existenz, als auch DAS Beispiel
bzw. der Archetyp.
Der
Mann könnte Religionsstifter werden; entweder weiß er etwas, er tut so
als wisse er was, oder er erfindet recht gut.
|
|
|
|
Juli 25, 2007 --- Helden und andere.
Nochmals kurz zu
Helden und denen, die hinter ihnen aufräumen: Ist zwar total Buddha-lastig dieser Satz, aber er passt hier: Einen
Baum zu fällen macht mehr Krach als einen Wald wachsen zu lassen.
|
|
|
|
Juli 20, 2007 --- Auf dem Weg zur Exzellenz -
oder: die familiengerechte Hochschule.
Welche
Prinzipien lassen sich in der aktuellen hochschulpolitischen Diskussion leicht
rechtfertigen, mit welchen Aussagen findet man schnell Zustimmung?
Darunter sicher: Die Universitäten sollten es ihren Studenten nicht
absichtlich erschweren, das Studium einigermaßen zügig abzuschließen. Das
hängt eng zusammen mit der Erwartung, die an die Zahlung der in
Baden-Württemberg fälligen Studiengebühren gebildet wird, nämlich dass
für die 500 Euro auch eine Gegenleistung erbracht wird. Daneben steht das
Phänomen, dass Akademikerinnen zu wenige Kinder bekommen, was daran
liegt, dass insbesondere das erste Kind einer studierten Frau später zur
Welt kommt als im Schnitt der Bevölkerung – nämlich tatsächlich erst nach
Abschluss des Studiums.
Vor
diesem Hintergrund ist es schon böswillig zu nennen, was an der
Universität Konstanz einer schwangeren Studentin widerfahren ist. Eine
Abschlussprüfung, deren Termin kurz nach der geplanten Geburt des Kindes
angesetzt ist, wurde von der Studentin früher erbeten, um das Studium
noch vor der Geburt abschließen zu können. Man bemerke, dass es nicht um
eine Verschiebung nach hinten ging, die der Kandidatin eine längere
Vorbereitungszeit als ihren Kommilitoninnen ermöglicht hätte, sondern um
eine freiwillige Verkürzung der Lernphase. Dieses Ansinnen wurde von den
prüfenden Professoren abgelehnt, und das Dekanat dieses Fachbereichs
bestätigte, dass eine Sonderbehandlung auch im Falle einer
Schwangerschaft nicht üblich sei.
Es
sind ohnehin nicht gerade viele Frauen (Männer auch nicht), die sich
während ihres Studiums auf eine Elternschaft einlassen, vor allem steht
wohl kaum zu befürchten, dass eine Schwangerschaft tatsächlich in großem
Ausmaß als strategisches Instrument zur Verschiebung von Prüfungen
missbraucht werden wird. So hätten die Professoren dem Zertifikat
„Familiengerechte Hochschule“, welches der Universität Konstanz im Jahr
2006 vergeben wurde, sehr einfach gerecht werden können. Und haben
versagt.
|
|
|
|
Juli 18, 2007 --- Recycler,
II: Blau.
Das
Erkennen einer Farbe als blau ist Illusion; nichtsdestotrotz verweigern wir
keinem, blau erkennen zu können. Bläue entsteht durch ein physikalisches
Phänomen, welches eine physiologische Reaktion hervorruft. Diese wiederum
kann ein psychologisches Phänomen bedingen, wie Freude, Antipathie oder
ähnliches. Eines dieser psychologischen Phänomene könnte der Wille zum
Weglaufen vor der Bläue sein; was bedingt ihn? Das physikalische Phänomen
und die physiologische Reaktion. Geschieht die Aktion „Weglaufen“ dann
aus freien Stücken? Selbstverständlich! Selbstverständlich ist unser Wille
„frei“ innerhalb bestimmter Grenzen, vor Hunger leidend wird sich der
Wille nicht auf Kino fokussieren, mit vollem Bauch wird der Wille den
Körper kaum zum Schwimmen bringen wollen. Der Wille ist beschränkt durch
Nebenbedingungen.
|
|
|
|
Juli
17, 2007 --- Ölpreis revisited.
Heute Morgen
in meiner maßgeblichen Informationsquelle FTD: Der hohe Ölpreis
beinhaltet inzwischen weniger eine Risikoprämie (warum auch immer),
sondern ist deutliches Zeichen für echte Knappheit des Gutes. Unter
anderem liegt das an einer neuen Erkenntnis über die vorhandenen
Ölreserven, die tatsächlich knapper sein könnten als bislang vermutet,
und der Punkt, an dem die Reserven (bekannte und neu gefundene)
tatsächlich anfangen zu schrumpfen ist näher als gedacht. Die "bekannten"
Reserven sind einfach die Summe dessen, was die einzelnen ölfördernden Länder berichten. Insbesondere die OPEC
Staaten hatten (und haben?) aber einen Anreiz, ihre Reserven zu hoch
anzugeben, da die ihnen zugestandene Fördermenge als Anteil ihrer
Reserven berechnet wird... It's all incentives, stupid.
|
|
|
|
Juli
12, 2007 --- Jetzt neu.
Mit Orange.
Weil: Ist so sommerlicher, und irgendwie cool. Was grünes
hätte ich auch gern, aber das passt nicht.
|
|
|
|
Juli
12, 2007 --- Über eine besondere Art Mensch (Mann?)
Es gibt
Leute, die glauben, sie regierten die Welt. Und sie glauben, sie täten
das zu recht, weil sie nämlich so toll sind. Sie
halten sich für Helden, weil sie reich geboren wurden und weil Papa einen
Freund in der Politik hat. Das sind die A****löcher.
Und dann gibt es die, die dafür sorgen müssen, dass die Welt wieder
funktioniert, indem sie hinter den Helden herräumen und den ganzen Mist
wieder richten. Aber es gewinnen die Helden, nicht die Putzkolonne.
|
|
|
|
Juli
04, 2007 --- Was nicht sein darf...
... ist auch
nicht. Natürlich muss die Lebenserwartung monoton im Einkommen steigen.
Und wenn drei Leute finden, dass sie das nicht macht: Tja, dann machen halt
alle einen Fehler. Weil eben nichts ist, was nicht pc
ist. Es wird Zeit für einen Zwischenruf, nein, nicht ordnungspolitisch,
sondern dreckig-empirisch. Pure
beauty can be safely left to idealists, the half-beauty and the ugly
gives to act to empiricists.
Sonst:
Hilfe! Hab irgendein Scheiss-Update gemacht,
seitdem ist mein Rechner unfassbar langsam, und: er fährt nicht mehr
runter. Wie kann das denn bitte sein?
|
|
|
|
Juni
04, 2007 --- Rostock und ein bisschen Paranoia
Wenn man sich
kurz den Luxus gönnt und Samstag keine Nachrichten sieht, dann wird es im
Nachhinein etwas schwer sich zusammenzureimen, was da am Samstag in
Rostock eigentlich passiert ist. 1000 Verletzte, davon 400 Polizisten,
und darauf folgen nur 10 Haftbefehle. Alle sagen, die Polizei hätte sich
richtig verhalten, trotzdem wurde offenbar der Einsatzleiter noch Samstag Nacht abgelöst. Man wird mir glauben, wenn ich
sage, dass ich die Argumentation der G8- und Globalisierungs-Gegner nicht
unbedingt teile; aber wenn nur einen Tag nach diesem Ausbruch die erste
Meldung in den Nachrichten auf HR, BR und SWR damit nichts mehr zu
tun hat, sondern mit irgendwas, was Frau Merkel zu Herr Busch gesagt hat,
dann drängt sich mir heimlich, still und leise der Verdacht auf, dass ich
gar nicht so genau wissen soll, wer da wen verprügelt hat und
warum. Mal schauen, was die Zeitung dazu sagt. Irgendeiner muss ja dabei
gewesen sein.
|
|
|
|
Mai
29, 2007 --- Zitat aus dem Handelsblatt:
Deutschland im Jahr 2007, das ist
ein Land, als sei es regiert von Franz Kafka als Bundeskanzler und George
Orwell als Innenminister, der Geißen-Peter hat das Wirtschaftsressort
inne und Enid Blyton ist Familienministerin.
|
|
|
|
Mai
22, 2007 --- Feler über fehler
Die
Anwendung
komparativer Statik, und damit folgend auch solcher Ökonomismen
wie Punktelastizitäten oder des Enevelope-Theorems
erlaubt natürlich nur lokale Aussagen. Ist uns das eigentlich bewusst?
|
|
|
|
Mai 22, 2007 --- Achtung,
Achtung, eine Durchsage
"Time-consistency is not a well-defined
concept in continuous time."
|
|
|
|
Mai
18, 2007 --- Recycling (I)
Claudia,
22, Studentin der angewandten betrieblichen Wirtschafts- und
Subventionslehre an der FH Zwickau, schreibt:
Was
auch unglaublich wichtig ist: der enge Kontakt zu den Professoren und
Dozenten. Die sind nämlich oft gar nicht so viel älter als wir Studenten,
kennen also noch unsere Sorgen und Nöte, mit denen man übrigens immer zu
ihnen kommen kann. Das ist für einige Studenten sicher nicht so leicht,
damit zurecht zu kommen, sich von gleichaltrigen
etwas beibringen zu lassen: es gibt nämlich einige Praktiker unter
uns, vom Abiturienten bis zum 35-jährigen Schreinermeister ist eigentlich
alles dabei! Aber gerade das ist ja so befruchtend, die verschiedenen
Ansichten kennen zu lernen, und vor allem: auch damit umgehen! Manch
einer von denen, die gerade mit der Schule fertig sind, lernt erst mit
der Zeit, dass er von einem älteren Kommilitonen noch was lernen kann. Da
kann toll zusammen sitzen und diskutieren bis spät in die Nacht, manchmal
sogar bis zum Morgengrauen... Aber das sollte man nicht übertreiben, denn
das Studium hier ist schon sehr straff organisiert. Das merkt man in der
Arbeit in der Gruppe, die hier übrigens sehr groß geschrieben wird und
meistens projektorientiert ist. Überhaupt: Man lernt hier viel eher so zu
arbeiten, wie man es später im Job mal brauchen wird, Teamwork, sich
gemeinsam an einer Sache festbeißen eben. Diese Orientierung an der
Praxis schlägt sich überall hin durch, auch auf die Wahlfächer, wie zum
Beispiel Förderungspolitik für Osteuropäische Joint-Ventures,
die wirklich konkret vermitteln, was man wissen muss, ohne großen
theoretischen Überbau. In der Beziehung können wir, glaube ich, auch noch
viel von unseren Partneruniversitäten lernen, gerade in Warschau macht
man so was nur noch. Von uns kann auch eigentlich jeder mal ein oder zwei Semester ins Ausland gehen, wenn er
(oder sie! Die Quote der weiblichen Studenten liegt bei über 50%!) will.
Das ist auch langsam in den Firmen angekommen, dass die Märkte Westeuropa
und Amerika langsam abgegrast sind, im Osten kann man da noch viel
machen. Sicher, die Lebensverhältnisse sind während der Monate in der
Ukraine zum Beispiel nicht so, wie wir es von Muttern gewohnt sind. Aber
der intensive Kontakt zu den „einheimischen“ Studenten entschädigt für
vieles. Der Verzicht auf Dinge, die für uns so alltäglich sind, prägt
auch und schweißt zusammen. Da wachsen Freundschaften für’s
Leben! Außerdem werden wir ja auch hier schon so ein kleines bisschen
daran gewöhnt, jedenfalls die, die das Glück hatten, in einem der alten
Plattenbauten unter zu kommen. Das mit den Rechtsradikalen in diesen
Vierteln ist auch gar nicht so schlimm, wie es in den West-Zeitungen immer
beschrieben wird, man muss sich halt arrangieren. Also, ich jedenfalls
bereue es überhaupt nicht, von der ZVS hierher gelost worden zu sein!
|
|
|
|
Mai
16, 2007 --- Absurd!
Geschenkt,
ich
benutze "absurd" ein bisschen inflationär. Aber wenn man mal
seinen BMI ausrechnet, um dann trotz mittlerer Erfolge IMMER noch bei
Übergewicht zu landen... Und dann, merkt auf, ist die Untergrenze eines
männlichen Normalgewichts mit einem BMI von 20 definiert. Das entspricht
bei meiner Körpergröße einem Gewicht von knapp UNTER 65 Kilo. Es sei
denn: ich kann nicht Windows-Taschenrechner-Tippen. Übersetzt jedenfalls
auf meine persönliche Situation hieße das, ich müsste irgendwo etwas
weniger als 20 Kilo wegnehmen. Hallo-ho? Ich
glaube ja gern, dass wir dekadenten Westeuropäer alle allzu fett sind --
aber ein Mann mit eins-achtzig, der unter 65 Kilo wiegt, soll
normalgewichtig sein? Da scheitert es doch eher an der Definition, sach ich ma.
|
|
|
|
Mai
09, 2007 --- Konservative, Update
Sarkozy lässt sich
auf eine Yacht einladen und versteht nicht einmal, "über was hier
gestritten wird".
|
|
|
|
Mai
08, 2007 --- Konservative
Wenn
man
heute morgen liest, was passiert ist, dann
sind es mal wieder die Konservativen auf der Welt, die das Recht gepachtet
haben. Söder (vielleicht ist es bei ihm auch schon Fatalismus) bedroht
beinah den Bundespräsident, ohne auch nur annähernd ein bisschen Respekt
vor dem geltenden Recht zu haben. Seine Moral ist ja, wie immer bei den
Konservativen, höher als das Recht. (Ach, von Ehrenworten mag ich nicht
sprechen.) Wolfowitz: Erst ein ganzes Land in
den Krieg stürzen, dann Löcher in den Socken haben und meinen, der
Freundin mal was gutes tun zu müssen. Wenn man
als Konservativer selbst gegen das Gesetz verstößt, ist das nicht so
schlimm, weil: qua Selbstdefinition ist das ja nicht gefährlich, sondern
im Gegenteil sogar staatstragend.
Kinder,
wann lernt Ihr endlich, dass es auch andere Meinungen gibt, die genauso
(und vielleicht mehr) auf einer Ethik beruhen als Eure eigene.
|
|
|
|
Mai
04, 2007 --- Wenn im Mai die Schwimmbäder wieder uffmache...
...
dann wird
es kalt. Ist doch klar. Aber angenehm, für wenige Sekunden, auch wenn das
"Gewitter" aus genau drei Regentropfen bestand.
Nun
zu etwas völlig anderem: Weltschmerz. Nein, hab ich nicht. Die
Diskussion geht der Frage nach, ob dieses Phänomen etwas spezifisch deutsches ist oder nicht. Ich hatte da eine sehr feste
Meinung zu (ja), aber hier zunächst mal die Argumente, die nicht
von mir sind, sondern zusammengetragen.
Dafür
sprechen: (1) Der Begriff wurde von einem Deutschen geprägt (Jean Paul)
und (2) hauptsächlich von Deutschen Autoren aufgegriffen (Heine etc.).
(3) Den Romantikern unterstellt man eh, dass sie anstatt an der
französischen Atlantikküste Austern zu schlürfen in den Wald gehen um zu
sinnieren. (4) Es gibt in der Tat lokal begrenzte psychische Phänomene (googeln Sie doch mal Koro...).
(5) Der Begriff wird in vielen Sprachen als Germanismus verwendet. Manche
Germanismen (Blitzkrieg) sind deshalb welche, weil sie gerade
ein deutsches Phänomen bezeichnen.
Dagegen
sprechen: (1) Nur weil das Phänomen als erstes in Deutschland beschrieben
wurde, muss es nicht spezifisch deutsch sein. Vergleiche Otto Hahn und
die Kernspaltung. (2) Der Begriff wurde auch schon in der Anfangszeit
nicht nur von deutschsprachigen Autoren benutzt. (3) Die Definition
(irgendwas mit Leiden an der Imperfektion
der Welt) ist sehr nah an der Theodizee,
und das ist nun wirklich kein deutsches Phänomen.
Rejoinder: Das
Phänomen, ein Phänomen wie den Weltschmerz zu beschreiben, das ist
typisch deutsch... Mache sich der geneigte Leser ein eigenes Bild! Back
to real work!
|
|
|
|
Apr
27, 2007 --- Kaum verlinkt...
Schon
offline.
Mein Einfluss ist enorm.
|
|
|
|
Apr
24, 2007 --- Modern Times.
Ist
es
ein Zeichen guter oder schlechter Korrespondenz, wenn eine eMail den folgenden Betreff hat?
Re: Antwort: Re: Antwort: Re:
Antwort: Re: hallo!
|
|
|
|
Apr
24, 2007 --- Wie lautet eigentlich das Substantiv von "subversiv"?
Jetzt
passt
mal auf. Hier kommt er, der Link: arcade.blogg.de! Weißt Bescheid, keine
Haftung für dieses neoliberale, menschenverachtende Tagebuch. Von diesem
Link abgesehen, ist mein Logbuch schon das einzig lesenswerte im ganzen
Internet, wie ich finde. Seien sie ehrlich, ist doch so, wer sich
auskennt, wird es bestätigen.
Noch
zwei wichtige Ansagen: Ich unterstütze Helmut Kohl auch nicht dabei, den
Friedensnobelpreis zu bekommen. So schäbig das auch sein mag, aber
seit langem und vor allem zu Unrecht in Vergessenheit geraten:
Kohl hat die Spender immer noch nicht genannt!
Und
jetzt die zweite wichtige Durchsage, auch wenn das hier alles, aber
auch alles mit mir in Verbindung gebracht werden kann (soll!):
Achtung, Achtung! Ich finde Konservative eher doof! Huch, was für eine
Überraschung.
|
|
|
|
Apr
23, 2007 --- Sunshine
Will
gar
nicht lange drum herum reden: Ich war ein wenig enttäuscht. Am meisten
darüber, dass noch keiner der Kritiker darauf hingewiesen hat, wie nah
dieser Film an Event Horizon ist. Hat wohl
keiner gesehen - und wenn auf "2001" Bezug genommen wird, dann
doch auch mit den falschen Zitaten. Und ehrlich: WAS sieht an dem Film
aus wie bei "Alien"?
Parallelen
zu Event Horizon:
--
Die Form der Raumschiffe
--
Das Berühren oder Überschreiten des Event Horizon
(bei Sunshine erst ganz am Ende)
--
Das Schiff aus der "ersten" Mission, was verlassen gefunden
wird
--
Die Bruchstücke von Logbuch-Aufzeichnungen des ersten Schiffs (die
verworren und ein bisschen mystisch sind)
--
Die Angst und Gott-Anmaßung
--
Die Infiltrierung des neuen, "gesunden" Schiffs mit dem Bösen
von der ersten Mission (bei E.H. erst am Ende)
--
Das "Sehen"
--
Na gut, die Form der Schiffe nicht so sehr. Hab grad nachgeschaut.
|
|
|
|
Apr
23, 2007 --- Wollen vs Müssen
Kann
es
sein, dass es sowas wie "müssen" gar
nicht gibt? Es ist nur ein "Wollen" angesichts ernster Konsquenzen...
|
|
|
|
Apr
18, 2007 --- Ich plappere einfach weiter.
Wer
weiß,
warum - aber heute bin ich ein großes Plappermaul. Weil nämlich,
was muss man hören oder lesen, der Innenminister zweifelt die
Unschuldsvermutung an. Als drückte der erste Tag seit drei Wochen ohne
puren Sonnenschein nicht schon genug auf's
Gemüt.
|
|
|
|
Apr
18, 2007 --- Aufreger des Monats
Der
erste
Aufreger ist natürlich, dass ZWEI Einträge am
GLEICHEN Tag erscheinen. Verrückt, geht das überhaupt? Der eigentliche
Aufreger aber ist der folgende, und die Nation
schreit auf:
Ikea hat das Billy-Eckregal aus
dem Programm genommen!
Stattdessen
muss man jetzt z.B. ein schmales (d.h. 40cm) Billy-Regal nehmen und in
der Ecke eben über Eck stellen. Oder, alternativ, ein bis zwei dieser zur
Billy-Serie passenden CD-Regale. Wahnsinn.
|
|
|
|
Apr
18, 2007 --- Metaphorisch
Wie
schön
wäre es, könnte man Taten und Worte, die man bereut, so ungeschehen
machen, wie Öttinger es versucht. Als ob die
Bitte um Entschuldigung dieselbe schon garantieren würde. (Schlimmer
noch, die meisten sagen ja "ich entschuldige mich" und erteilen
sich damit sozusagen selbst Absolution.) Die zweite Methode: etwas
Gesagtes "zurücknehmen". Als gäbe es tatsächlich die
Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern. Lieber Herr Öttinger,
wie sehr wünsche ich mir, manches nicht gesagt zu haben, und ich bin
weder im Fernsehen, noch habe ich Berater oder Redenschreiber. Aber das
läuft so nicht.
Außerdem
nehme ich unserem MP nicht ab, inzwischen wirklich eine andere Meinung zu
haben. Er hat nur Angst wegen der Folgen, ohne wirklich Einsicht in den
Fehler zu gewinnen. Und selbst Einsicht allein wäre noch nicht genug.
Aber
"da es die Höflichkeit gebietet" (schlecht zitiert, weil mal
wieder nicht wörtlich), nimmt man eine Entschuldigung auch an. Ihre, Herr
Öttinger, aber nur unter Auflagen. Machen Sie
doch mal Urlaub von der Politik. Achja, und
wenn es mit dem "Entschuldigen" und "Zurücknehmen"
doch noch klappen sollte, dann verraten Sie mir, wie.
|
|
|
|
Apr
17, 2007 --- Verbietet Amokläufe, Teil 2
Nein, doch
nicht. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Aber Hauptsache, den Waffenbesitz
weiter verteidigen, kam eigentlich schon ein Zusammenhang zu Counter Strike zu Lichte?
Es ist zu deprimierend, alle Berichte zu lesen.
Deshalb:
Eine Auflistung der Überwachungstatbestände, die ärgerlich sind (ohne
Beleg, weil: ich verlinke ja nicht).
(1)
Die Mautdaten waren nicht besonders lang der Strafverfolgung entzogen.
Ein öffentlichkeitswirksamer Mord, ein Verdächtiger Trucker, seither ist
es Standard, die Daten zu benutzen.
(2)
In Hamburg konnte man den Ort eines Verbrechens auf eine Handy-Zelle
festlegen. Alle 300 Mobilnutzer, die zur entsprechenden Zeit in dieser
Zelle angemeldet waren, wurden überprüft.
(3)
Um das biometrische Foto (ist das eigentlich gesund?) und später die
Fingerabdrücke auf den RFID-Chip zu bekommen,
muss man sie erst mal digitalisieren. Bislang behauptet man wenigstens
noch, sie würden gelöscht. Unser Innenminister hat aber schon
angekündigt, dass das nicht so bleiben muss - dann gäbe es langfristig
eine Datei mit den Fingerabdrücken aller Bürger.
(4)
Wer in einem bestimmten Zeitraum 79,90 per Kreditkarte über einen
internationalen Zahlungsabwickler gezahlt hat, ist überprüft worden. Ist
ja auch eine krumme Summe.
So,
nur damit es mal dokumentiert ist und nicht (siehe die Maschinerie, wie
sie arbeitet) so schnell vergessen wird.
|
|
|
|
Apr
16, 2007 --- Bah, und schon wieder da.
Nun ist es
ja schön, nicht mehr allein in Marokko zu sein (Nacken verbrannt, Koffer
weg, Air France ist der letzte Mist), aber ob im Büro sitzen die wahre
Alternative ist? Waaaah. Und ein ganz, ganz
großer Berg Arbeit.
Dafür:
Weil Thomas Mann selbst im Frühling schon ein wenig zu schwer für den See
ist, wurde gestern der Schnelllesrekord für
"Vollidiot" gebrochen. Ich glaube, insgesamt unter zwei
Stunden. Das Komische: Weil ich einen einzigen Trailer mit Pocher gesehen hab, musste ich also zwei Stunden an
ihn denken - auch nicht schön! Ganz ehrlich: Musste schon ab und zu mal
lachen, aber insgesamt ist das alles eher traurig.
Jetzt
hoffe ich ausschließlich, nicht allein nach Budapest zu fahren.
|
|
|
|
Apr 03, 2007 --- Up, up and away...
Und auf nach
Marokko. Morgen früh schon! Daher in den nächsten Tagen noch weniger (als
ob das möglich wäre!) an Neuigkeiten. Hoffentlich sprechen sie auf der Konferenz
auch Englisch mit mir, sonst sitz ich aber dumm da. Ich sehe mich schon
im Sammeltaxi und im weißen Leinenanzug durch die Wüste fahren, neben mir
eine 90jährige koptische Christin, die von mir die letzte Ölung verlangt.
Die Geier kreisen am Himmel, und einzig die Hutkrempe spendet noch
Schatten. Aber wenigstens: Kohletabletten und Immodium
Akut ist eingepackt!
Bin
äußerst gespannt. Vom Skifahren in die Wüste innerhalb von drei Tagen -
das ist doch sehr Citoyen-haft, nicht?
|
|
|
|
Mar
30, 2007 --- Um die Wette bloggen.
Trotz guten
Wetters, zerschundenen Schienbeinen und einem sowas-von-halbfertigen
Gauss-Code im Fenster rechts vom HTML-Editor
ist es Zeit für Kommentare! Hauptgrund: Das Konkurrenzblog, dessen Link
ich vielleicht entgegen aller Ansagen demnächst hier posten
werde. Vielleicht finden Sie es aber auch so, werte Leser - Der Titel hat
was mit meiner letzt-gekauften Platte zu tun!
Letzte
Aufregungs-erregende Umfrage hingegen: Die
Opfer von Verbrechen können nicht verstehen, dass Frau Mohnhaupt
freigelassen wird, während sie ja immer noch Opfer bleiben. Meine
hanebüchenen Thesen dazu: Ich bin (1) froh, kein Opfer zu sein und (2)
froh, dass Opfer von Verbrechen nicht die Strafe bestimmen. Wie schwer
ist es eigentlich zu begreifen, dass der Abstand von persönlicher Rache
und Fehde DAS konstituierende Merkmal und DIE wichtigste Begründung für
einen Staat ist? Rache ist seit etwa 2500 Jahren nicht mehr die
Begründung für Strafe, sondern Invidual- und
Kollektivprävention - also den Täter davon abzuhalten, die Tat zu
wiederholen und andere davor abzuschrecken, es dem Täter gleichzutun. Die
Gesellschaft oder der Staat hat kein Recht auf Rache, eben weil sie (er?)
außerhalb der Mitglieder nicht mal ein Recht auf Existenz hat.
Nächster
Punkt: Die Kapitalismuskritik von Herr Klar. Pffft.
Die ist doch total pille-palle harmlos. Ich bin
ja eh dafür, dass man als Bürger eines Staates wie dieses zauberhaften
hier durchaus gegen Kapitalismus sein darf. (Keine Sorge, ich bin nicht
dagegen.) Und was der Herr Klar da so gesagt hat, das hört man (so
vermute ich) auf einer durchschnittlichen DGB-Kundgebung sicher auch.
Gut, das könnte jetzt natürlich auch als gutes Argument gegen
DGB-Kundgebungen verstanden werden.
Sonst:
Könnte mir mal jemand sagen, um was es bei "Intervention" geht?
Ich vermute ja, dass es was mit den Amerikanern zu tun hat, die nicht auf
dem College waren (also sprich: im Irak sind). Und die Kirche, für die
gearbeitet wird, sind natürlich die NeoCons.
Aber das kann auch alles ganz, ganz falsch sein.
Und
noch ein Motto des Tages, betreffend die Arbeit:
"We are artists. We are mathematicians.
Some of us hold extremely high positions."
|
|
|
|
Mar
13, 2007 --- Dementi.
Und so komme
ich endlich meiner Pflicht nach und veröffentliche eine Richtigstellung.
Im Gegensatz zu dem, was ich im Eintrag des 7. Februar behauptet habe,
schrieb die Leserin:
"Das
ist mit die unspektakulärste Seite, die ich je
gesehen habe." Ich habe zwar viele Internetseiten gesehen, aber alle
noch nicht. Ich bin daher sicher, es gibt noch was unspektakuläreres.
Sie
hat natürlich Recht!
Daneben
ist in den letzten Wochen zuviel passiert, als dass mich die Politik oder
sonstiges, was ich mir hier erlaube zu kommentieren, noch interessiert
hätte. Zu Beginn deshalb nur: Ich finde nämlich doch, dass Rezzo
S. am Nockherberg nicht nur betrunken aussah,
sondern es bestimmt auch war.
|
|
|
|
Feb
19, 2007 --- Lange nichts gesagt.
Schon bald zwei
Wochen ist es her, dass hier der letzte Eintrag erschien. Ist denn gar
nichts passiert in der Welt, über das man sich echauffieren könnte?
Sicherlich! Aber: Der Herr Merz hat keine Lust mehr, und plötzlich wird
er einem sympathisch, die Gesundheitsreform ist durch, und siehe, zwei
Elemente sind vielleicht gar nicht so arg (der Einstieg in die
Steuerfinanzierung und der Quasi-Kontrahierungszwang für private
Versicherer) und sonst... eine Art Altersweisheit vielleicht.
Deshalb:
Wall Street gesehen, zum ersten Mal. Ich frage mich, wie dieser
Film Mitte der 80er von seinem Publikum verstanden wurde. Entweder sind
damals nur BWLer rein gegangen oder man hat
sich an Martin Sheen und Michael Douglas ergötzt. ("Reich mir mal
den LBO-Bericht rüber!") Heute, ja, da ist man mit dem Verständnis
der Finanzmärkte in der Masse einen kleinen Schritt weiter, immerhin hat
ja fast jeder Geld mit der Telekom verloren, aber damals? Dabei werden
dort viele Dinge gesagt, die heute immer noch ihre Gültigkeit haben -
"Warum schlagen Fondsmanager nie den Index? Weil sie Schafe sind,
und Schafe werden geschlachtet." Wie wahr, siehe dazu die ZEIT von
letzten Donnerstag: Und wenn sie ihn mal schlagen, den Index, dann lassen
sie es sich auch noch extra vergüten.
|
|
|
|
Feb
7, 2007 --- Der schönste Satz
Der
allerschönste, um der Wahrheit die Ehre zu geben: "Und wir würfeln
einen Dreierpasch." Grundsätzlich natürlich deshalb, weil ich selbst
gern Sätze mit "Und..." beginne. Und außerdem klingt er so
weich - es ist vielleicht der weichste Satz überhaupt. Es gibt ja
Menschen, die sprechen grundsätzlich sehr weich, bei denen ist der
härteste und lauteste Ton das "sch", keine Ahnung, wie die das
machen. Der letzte Grund, der nun aber wirklich jeden von der unschlagbaren
Schönheit des Satzes überzeugen müsste: Wer würfelt bitte nicht gern
einen Dreierpasch? Oder erinnert sich daran, wie er oder sie mal dringend
einen benötigt hätte?
Hab
ich eigentlich schon erwähnt, dass unter den überaus zahlreichen
Besuchern dieser Seite eine (Besucherin) sie (die Seite) tatsächlich als
"die mit Abstand unspektakulärste des gesamten Internet"
bezeichnet hat? Eigentlich bedauerlich, dass es dafür keinen Award gibt, den ich gewinnen könnte, ganz sicher.
Aber vielleicht sollte ich (abseits vom faden Inhalt) betonen, dass sich
das (ebenso fade) Layout an sehr, sehr frühen Formen von graphischen
Benutzeroberflächen orientiert. So passen Inhalt und Form wenigstens
zusammen!
Bevor
es mir wieder jemand wegschnappt und für 40 Brazillionen
an irgendeine Firma verkauft: Ich mache demnächst auch in Web 2.0 und
eröffne ein Portal. Netzwerke, in denen man Leute die man kennt und mag
mit sich verbinden kann, gibt es schon einige. Leider kann man nirgendwo
angeben, wen man nicht mag! Ich hab grad mal geschaut: www.arschliste.de und www.a-liste.de
sind noch frei. Wenn ich dann noch als Spin-Off die Golfabschläge von der
Yacht auf dem Bodensee...
|
|
|
|
Feb
1, 2007 --- Mahnmal.
Weil ich gerade
was gelesen habe... Nicht, weil ich zuviel Zeit an der Arbeit hab,
sondern weil ich warte - Spiegel Online berichtet heute über Sehen und
Nicht-Verstehen beim Holocaust-Mahnmal in Berlin (naja,
Elftklässler und Bela von den Ärzten sind es, die nichts verstehen). Das
ist doch eine tolle Gelegenheit, mein eigenes Verstehen davon zu
Protokoll zu geben. Für die, die es noch nicht gesehen, oder besser:
betreten haben: Es sind ich-weiss-nicht-wie-viele
Stelen aus blankem Beton, die alle verschieden hoch sind, aber die Höhen
sind nicht zufällig verteilt. Die höchsten Stelen (deutlich größer als
ein Mensch, vielleicht vier Meter?) stehen in der Mitte des Quadrats, die
flachen, keinen halben Meter hoch, stehen am Rand. Es gibt aber eine
weitere Eigenschaft - der Boden selbst senkt sich zur Mitte hinab,
schüsselartig, so dass man vom Rand aus ohne Probleme jeden anderen Rand
sehen kann, also alle Stelen überblickt.
Wählt
man nun einen Pfad in diese Matrix aus Stelen hinein, so behält man den
Überblick noch eine Weile, obwohl die Stelen höher werden. Es gibt einen
Moment, wo alles umschlägt; wo es dunkel wird und man auch diejenigen,
die auf anderen Pfaden in der Matrix wandeln nicht mehr sieht. Man wird
von diesem Objekt, was man zu überschauen glaubte, verschluckt. Entlang
einer anderen Dimension ist das vergleichbar mit Klemperers LTI, in der
es ebenfalls auf die Akkumulation von Kleinigkeiten ankommt, deren
Elemente vielen verschlossen bleiben. Irgendwann aber ist die Summe der
an sich kleinen Elemente so groß geworden, dass man sie nicht mehr
kontrollieren kann. So ist das vielleicht mit dem kleinen Mann und dem
Faschismus. Er geht einige Schritt mit, und es passiert nichts. Noch ein
paar Schritte mehr hinein- und mitgegangen aber und es ist zu spät.
|
|
|
|
Jan
30, 2007 --- Von den Büchern.
Warum lesen
wir? Weil ein Leben und die Menge der Erfahrungen, die man in ihm machen
kann zu klein sind. Weil die durch lesen angeeignete potentielle
Biographie die Endgültigkeit von Entscheidungen aufhebt: Wir leben determiniert
durch unsere eigene Vergangenheit, können uns aber vorstellen, anders zu
sein oder anderes zu tun, vorausgesetzt: Unsere Geschichte wäre eine
andere. (Zwei Doppelpunkte hintereinander - geht das?) Gleichzeitig, Empathie-begabt, können wir uns vorstellen, dass wir
nicht die ersten sind, die unsere eigenen Gedanken denken, sondern dass
es irgendwann einmal einen anderen gab, der ähnliches dachte. Wir sollten
wissen, zu welchem Ergebnis der andere kam, was einem zwar das eigene
Denken nicht erspart, die eigenen Schlüsse aber relativiert.
|
|
|
|
Jan
24, 2007 --- Überzeugungstäter.
An Tagen
wie diesem - mit Schnee draußen und viel Frieden im Gemüt - möchte man
manchmal die Welt verbessern und alle Menschen davon überzeugen mitzumachen.
An solchen Tagen schreibt man einen Kommentar in einen Forums-Thread seiner Wahl, vernünftig, wohlüberlegt
und allen Erfahrungen zum Trotze. Dann stellt man ein, dass man bei neuen
Beiträgen per Mail benachrichtigt wird und freut sich, wenn die erste
kommt. Auch noch bei der zweiten. Bei der vierzigsten Mail nicht mehr so
sehr, vor allem wenn man liest, wie sich der Thread
entwickelt hat, nämlich zu einem absurden Theater von Neurotikern, die
offenbar trotz unglaublich beeindruckender Profile den ganzen Tag nichts
zu tun haben als sich zu streiten um des Streites willen. Keine Spur von
Vernunft, von Einsicht. Spätestens auf Seite zwölf wird entweder der
erste als Nazi beschimpft oder Luhmann zitiert, gern auch beides, was
nicht heißt, dass jemand als Luhmann beschimpft wird etc.
Das
Zeitgeschehen kann ich nicht kommentieren, weil (sicher wegen des
Schnees) meine Zeitung heute morgen noch nicht da war, sondern nur der
rosafarbene Zettel mit "Sorry...". Wie unangenehm, dass meine Zeitung dieses Wort
verwendet.
|
|
|
|
Jan
22, 2007 --- Steinkohle
Die Kosten
der Steinkohleförderung übersteigen die Subventionen, so steht es heute morgen in der Zeitung. Ein Schreibfehler? Sollte der
Verlust eines privaten Unternehmens nicht dadurch definiert sein, dass
die Kosten die Erlöse übersteigen? Nun, wenn Subventionen die einzigen
Erlöse sind... Wenn wir diese Industrie schon unbedingt am Tropf lassen,
dann sollte sie ehrlicherweise verstaatlicht werden. Sonst: 56 Klicks bei
OBC, ich glaube, das ist mein Rekord. Schade, dass es nicht so weitergeht
- ein Einmaleffekt, sozusagen!
|
|
|
|
Jan
08, 2007 --- Frohes Neues, auf uns!
Natürlich ist es
noch sehr ungewohnt, 2007 zu schreiben. Was fiel so auf? Ein Übersetzungsfehler!
Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig Übersetzer von Filmen so
können, und das behaupte ich, mit einem ziemlich wissenschaftlichen,
un-idiomatischen Englisch. Zwar hab ich schon lange kein "Aber nur
einer zur Zeit!" mehr gehört, das mag aber nur daran liegen, dass
die Mindestanforderung für Filmübersetzer auf 4 Jahre Schulenglisch
angehoben wurde. Nun also, in dieser Julia-Roberts-als-Kunstlehrerin-Schmonzette
am Wochenende (die gar nicht so übel war...) fiel der Satz: "Da
drüben sitzen die Joneses. Nach denen ist das
Sprichwort 'stell dich gut mit den Joneses'
benannt."
Ich
wette, dass dieses Sprichwort im Original "Keeping
up with the Joneses" heißt und damit richtigerweise
bedeutet, dass man versucht den Joneses
nachzueifern, im Sinne des Strebens nach einem Referenzpunkt oberhalb von
einem selbst, vor allem in Sachen Einkommen oder Konsum. Siehe dazu unten
den Beitrag über relative Einkommenspositionen...
PS:
Dieser Vermutung wird gerade durch den englischen Wikipedia-Beitrag
zu diesem Sprichwort bestätigt, in dem eben jener Film "Mona Lisa Smile" als Beispiel für das Sprichwort angeführt
wird. Am vierten Mai sind wir wieder bei Ihnen!
|
|
|
|
Dez
21, 2006 --- Autouni Wolfsburg.
Heute, also
eben gerade, bin ich über die "Autouni
Wolfsburg" gestolpert. Wie einem die Erkenntnis doch Streiche
spielen kann... Aber mal ehrlich: Wer denkt denn da nicht als erstes an
Autokino? Wie praktisch, mit dem Auto in die Vorlesung! Ganz im Gegensatz
zur Auto-feindlichen Uni "Koblenz"! Daneben reihe ich mich in
die Reihe derer ein, die sich zu Weihnachten und zum Jahreswechsel etwas
wünschen, und zwar von der Politik: (1) Etwas Demut durch die Einsicht,
dass Politik nicht allmächtig ist. (2) Abkehr vom Glauben, die eigene
Meinung sei die maßgebliche, mit dem Versuch sie (die Meinung) oder eine
daraus folgende Handlungsanweisung anderen aufzuzwingen. (3) Vor jedem
1:30 Kommentar mindestens genauso lange nachdenken. Von allen anderen
Menschen wünsche ich mir, dass sie ihre Animositäten überdenken und
vielleicht zu dem Schluss kommen, dass sie nur noch aus Tradition aufrecht erhalten werden.
Was
bleibt am letzten Tag im Büro? Nur noch ein Gedanke: Geschanke,
Geschanke! Und: Frohe Weihnachten!
|
|
|
|
Dez
13, 2006 --- Fürchtet Euch nicht.
Beim
Frühstück fiel mir ein, was ich für die wichtigste gesellschaftliche
Aufgabe des nächsten Jahrzehnts halte: Den Menschen die Angst zu nehmen.
Ich meine damit zweierlei ausdrücklich nicht: Man soll sich nicht gegen
alles versichern, oder gar dazu gezwungen werden. Ebenso wenig darf man
versuchen, die Risikoeinstellung zu manipulieren. ("Die Deutschen
müssen risikofreudiger werden!" - ein beliebtes pseudo-liberales
Argument.) Es geht vielmehr darum, dass wir einer unnötigen Unsicherheit
ausgesetzt sind, die insbesondere von Politik generiert wird, wo sie
eigentlich Schutz bieten sollte.
Es
gibt viel, was von der Zukunft nicht gewusst werden kann; von einigem
davon kennen wie die Verteilung, das heißt, wir wissen, was potentiell
passieren kann, und mit welcher Wahrscheinlichkeit es passiert. Dagegen
kann man sich versuchen zu versichern, oder auch nicht. Viel unangenehmer
ist das, gegen das wir uns nicht versichern können, weil die
Verteilung mutwillig geändert wird oder weil etwas völlig
Unvorhergesehenes passiert, was eben nicht einmal mit einer
Wahrscheinlichkeit belegt werden kann (dazu zählen keine Erdbeben oder so
- deren Wahrscheinlichkeit ist zwar klein, sie kann aber zumindest
theoretisch bestimmt werden). Diese Unsicherheit ist eine politische
Unsicherheit, und sie wird von falschen Entscheidungen getrieben, die
derart erratisch und beliebig sind, dass man sich nur wundern kann.
Passend
zu Weihnachten plädiere ich deshalb für eine Politik, die genau zwei
Eigenschaften erfüllen muss: Sie muss erstens von Konstanz geprägt sein,
was nur möglich ist, wenn sie (zweitens) nachhaltig ist. Ich bin davon
überzeugt, dass Menschen bereit sind, gewisse Risiken zu tragen; nur
sollten uns diese Risiken nicht heute genommen und morgen auferlegt
werden. Das war jetzt aber genug Grundsätzliches. Nächstens muss ich
unbedingt mal wieder über was aktuelles
aufregen.
|
|
|
|
Dez
07, 2006 --- Eine schöne Intrige.
Da in der
letzten Woche nichts passiert ist... nichts jedenfalls, was ich Vergnügen
hätte zu kommentieren, ist es Zeit weihnachtlich, das heißt:
grundsätzlich zu werden. Zuerst dachte ich, ein paar Worte über
Pragmatismus vs Idealismus wären angemessen -
aber das geht zu schnell und zu einfach. Ich bin für: Idealistisch in den
Zielen, pragmatisch bei den Mitteln! Was tautologisch ist! Aber erklären
SIE das mal einem, dessen Aufgabe es ist 1:30 Statements abzugeben!
Vielleicht heiligt der Zweck dann die Mittel? Nicht, wenn das Ziel den
Ausschluss der allerschlimmsten Mittel lexikalisch beinhaltet.
Nächster
Punkt: Ich würde gern ein bisschen Politik machen! Eine schöne Intrige!
Oder, in größerem Maßstab, gleich eine (Welt-) Verschwörung. Habe nur,
ach, bemerken müssen, dass die kleine Politik an und um meinen
Arbeitsplatz mir schon auf die Nerven geht, insbesondere jenes "der-kann-mit-dem-nicht" usw. Ein klein wenig
Demut würde da sehr gut tun, und Ignoranz ist doch ein völlig
ausreichendes Mittel um mit seinen kleinen Animositäten umzugehen. So
wäre ich zwar gern Teil, nein, nicht einer Jugendbewegung, sondern einer Verschwörung
die sich aber-so-was-von-gewaschen-hat, fürchte
aber, die Menschen nicht ausreichend genug zu verachten.
Oder:
Wer war's, Siddharta? - ich hab's vergessen - zwar das Leben wichtig
nehmen, aber nicht sich selbst. Der Nikolaus hat mir im übrigen 4GB blau
eingepacktes Kingston-Hyper-DDR-RAM gebracht.
Das Ding heißt wirklich Hyper! Ad propositum (wegen einer kleinen Unsicherheit
verzichte ich darauf "apropos" zu sagen, weil es auch "apropo" heißen könnte, oder umgekehrt)! Es ist
Zeit, meine Karriere als Songwriter zu
forcieren, ich meine, "Respect to the man in the ice cream van", das
sollte doch zu toppen sein. Vor neuen Ideen
recycle ich alte, die aber noch unveröffentlicht sind:
"I'm your cheeky lover, baby!"
-- Dieser Song muss unbedingt mit einer Vokaleinlage, gesprochen von
einer Dame, unterlegt werden: "Oh, you are SOOoo mean!"
"Let's climb the tower of obsession"
-- Na, das sagt doch alles. Ein heißer Dance-Floor-Feger!
"Mankind, unite!" --
Gut zu Weihnachten! Auch wenn der ursprüngliche Titel anderslautend war.
Hab ihn aber vergessen.
|
|
|
|
Nov
28, 2006 --- Bitte kein Sparplan.
Lieber Herr
Althaus, lieber Herr Milbrandt, wenn Sie beide es schaffen, den
Ansparplan "Arbeitslosenversicherung" zu verhindern, werde ich kaum
noch böse Worte über die Politik verlieren. Mal wieder ein populistisches
Instrument, was heimlich von jung zu alt, von ganz arm und ganz reich zu
denen in der Mitte verteilt. Gibt es denn niemanden in unserer
Gesellschaft, der Hilfe nötiger hat als ein 60jähriger, der in seinem
Leben 40 Jahre gearbeitet hat, ohne arbeitslos zu sein? Natürlich soll
der gute Mann nicht bestraft werden, aber er braucht doch keine Hilfe!
Mal ganz abgesehen von den wahrscheinlich perversen Anreizwirkungen auf
Entlassungen von älteren Arbeitnehmern. Und, ich bitte es zu beachten:
Auf Spiegel Online fiel gestern in einem Namensbeitrag (von jemandem,
dessen Namen ich aber vergessen habe, ein Politologe) das schöne Wort verfassungswidrig.
Wobei nicht der Vorschlag, sondern der Status Quo gegen das Grundgesetz
sein soll; komisch, dass das in den letzten 40 Jahren noch keiner gemerkt
hat.
Ich
lege der SPD ans Herz, in dieser Debatte das schöne Wort Solidarität
zu benutzen und zu besetzen. Wenn Herr Rüttgers meint, gleiche Behandlung
für alle Versicherten sei ungerecht, dann kann die Gegenseite doch sagen,
Ungleichbehandlung sei aber unsolidarisch! Wollen wir doch mal sehen,
welcher Partei (meinetwegen sogar zu unrecht) zugeschrieben wird, die
Gerechtigkeit erfunden zu haben.
Ceterum Censeo: Kohl hat die Spender immer noch
nicht genannt. Solch ein ceterum censeo kommt natürlich ans Ende!
|
|
|
|
Nov
22, 2006 --- Verbietet Amokläufe!
Am
witzigsten ist ja, dass laut SPIEGEL Online von heute die Karte der
angeblichen "Geschwister-Scholl-Realschule"
in Wirklichkeit die GSS Melsungen zeigt. Ich
glaube, ich muss diese Karte unbedingt haben! Ansonsten: Reflexe,
Reflexe. Bislang konnte mir noch keiner erklären, warum "Räuber-und-Gendarm" mit Spielzeuggewehren,
die man auf echte Menschen richtet, weniger gefährdend sein soll als (ich
sag's jetzt:) "Killerspiele". Vor allem weil dieses Mal das
Ablenkungsmanöver zu deutlich ist:
--
Der junge Mann hatte einen Waffenschein. Wie kann bitte ein 18jähriger,
der dafür bekannt ist, mit schwarzen Mänteln rumzulaufen einen Waffenschein
bekommen? Ich bin mir sicher, dass ich z.B. keinen bekäme, stellte ich
heute einen Antrag.
--
Gegen den jungen Mann war bereits ein Verfahren wegen unerlaubten
Waffenbesitzes eröffnet. Ich bitte Sie. 18 Jahre alt. Waffenschein. Dazu
ein Verfahren wegen weiterer Waffen. Da haben eindeutig die
Behörden bzw. der Staat versagt, der jetzt selbst Rauchbomben wirft, um
das zu verschleiern.
--
Er stand einsam auf dem Schulhof herum, hat
ziemlich seltsame Sachen im Netz veröffentlicht und wurde selbst am
Morgen seiner Tat noch von Schülern ausgelacht, weil er mit Mantel
und Maske so dämlich aussah. Und das dieser junge Mann austickt, daran
ist Counter Strike
schuld, genau.
--
Warum darf man Vorderlader ohne weitere Waffenbesitzkarte oder
Waffenschein besitzen? Sind die nicht gefährlich, nur weil das Nachladen
länger dauert?
--
Nach Littleton hieß es, die Schüler hätten
gerade deshalb so gut getroffen, weil sie von Counter
Strike trainiert gewesen wären. So gut kann das
Training nicht sein - drei Schusswaffen im Inneren eines Gebäudes und
(zum Glück) nur Verletzte. Da hat doch kurz vor Schluss noch Beißhemmung
eingesetzt.
|
|
|
|
Nov
15, 2006 --- Mein Kanzler
Selbst wenn man
in meinem Alter (was schon sehr alt ist) uneins darüber ist, ob Schröder
ein guter Kanzler war oder nicht, wird er für die ganze Generation ein
wichtiger Kanzler bleiben. Schließlich war er es, der Kohl abgelöst hat
(der die Spender im übrigen immer noch nicht
genannt hat), und bis Schröder kannte ich keinen anderen Kanzler als
Kohl. Deshalb steht er symbolisch für die Möglichkeit eines politischen
Wechsels, was als solches schon einen Wert darstellt (nicht der Wechsel
unbedingt, aber die Möglichkeit desselben).
Bei
OBC hab ich mich in einem Forum in eine komische Diskussion verwickeln
lassen, die ich fürderhin ignorieren werde. Zum einen kostet es zuviel
Zeit; zum anderen hat mein "Gegner" in seinem letzten Posting irgendwas von energetischen Feldern erzählt,
und das alles nur, weil ich behauptet habe "the
business of business is business", womit
einige Moralisten wohl verärgert waren (und zwar genau diejenigen, die in
einem diffusen Sumpf von gefühlter Moral schweben, die sie für
allgemeinverbindlich halten). Für mich löst diese Art von Diskussion
Godwins Law ab, nachdem in einer
Forumsdiskussion früher oder später ein unangebrachter Hitlervergleich
auftaucht. Ich ecke bei den Leuten grundsätzlich damit an, dass ich
behaupte, ihre Vorstellung von Moral sei ja nett und ehrenvoll, es gäbe
aber keinen einzigen Grund dafür davon auszugehen, dass sie von allen
Menschen geteilt würde. Langweilig.
|
|
|
|
Nov
10, 2006 --- Zwei Pils
Eigentlich hatte ich
mich längst daran gewöhnt, dass bei mehr als zwei Leuten am Tisch am Ende
der Rechnung immer "noch zwei Pils offen sind", wie man so
schön sagt. Besonders das D. tut sich da hervor, ich glaube, das ist
Masche. Aber gestern Abend dann doch der Hammer: "So, und dann haben
wir noch 10 Helle und 2 Essen.". Bitte waaaas? Nach Diskussion mit der Dame ("Aber dann
muss ich das selbst bezahlen, von meinem Gehalt!") und später ihrer
Chefin haben wir uns aber erfolgreich geweigert, das zu übernehmen. Ich
meine, wer vergisst denn eben mal, dass er gegessen hat oder doppelt so
viel Bier hatte? Außerdem bin ich doch nicht verantwortlich für andere
Leute am Tisch, selbst wenn es meine Freunde sind.
Ich
sehe da nur zwei Möglichkeiten, und auch dieses Konzept bin ich gern
bereit an die Gastronomie zu verkaufen (sollte sich also jemand aus
diesem Gewerk hierher verirren, ich arbeite auf
Tagessatzbasis):
1)
Rückkehr zum Deckel. Wunderbar, jeder hat seinen eigenen, man weiß zu
jeder Zeit wieviel man hatte und kann ganz
einfach Runden geben ("Schreib's mal hier
drauf!"). Das ultimative Ziel ist der Jägerzaun einmal rum.
2)
Amerikanische Verhältnisse. Einer muss ganz am Anfang den Tisch mit
seiner Kreditkarte eröffnen, mit der am Ende alles bezahlt wird, egal wer
es hatte. Wenn man dann nette Leute um sich hat, bleibt man darauf nicht
sitzen, sondern teilt die Gesamtsumme durch die Anzahl der Leute, auch
wenn der individuelle Konsum unterschiedlich war.
Die
Menschheit könnte so glücklich sein.
Nachtrag
zu Positive externe Effekte von Armut: Ich bin doch auch ein
Schussel. Natürlich gibt es das schon! Wenn von zwei Leuten A weniger hat
als B, dann lockert das die Anreizverträglichkeitsbedingungen für B.
Dadurch stellt er sich zwar nicht besser, aber der Prinzipal, der
irgendwas erreich will.
|
|
|
|
Nov
8, 2006 --- Verfassungswidrig!
Vielleicht war es
schon immer so, aber in letzter Zeit fällt es mir erst auf. Heute in der
FTD: Lt. Ramsauer (CSU) müssen Steuerzuschüsse auch an private
Krankenkassen gehen, alles andere sei verfassungswidrig. Was für
ein Totschlag-Argument! Es erinnert an unangebrachte Hitlervergleiche.
Was alles nicht verfassungsgemäß sein soll - alternativ wird auch mal
"Enteignung!" gerufen, mit dem Hinweis, diese sei nicht gemäß
der Verfassung. Als ob Steuerpflicht nicht genau das gleiche wie
Enteignung wäre, und das geht doch auch. Alles nur eine graduelle, keine
prinzipielle Frage. Eine Suche nach "verfassungswidrig" auf FTD.de liefert 345 Treffer, Google-News
hat 618 (hatte keine Lust, auch noch nach Synonymen zu suchen).
Ich
werde das in Zukunft auch für mich in Anspruch nehmen, bei möglichst
absurden Gelegenheiten. "So, eine Runde noch, meine Herren!" -
"Waaas? Nur noch eine Runde? Das ist
verfassungswidrig!" Außerdem ist man in genehmeren Situationen doch
schnell dabei, das Grundgesetz auch mal eben zu ändern. Der Verkauf der
Luftsicherung ist schon zwei mal von einem
Bundespräsidenten nicht unterschrieben worden, der Erlös wird eine
vergleichsweise mickrige Milliarde Öre sein.
Lässt man es? Nö, lieber mal flott das
Grundgesetz ändern. Kein Mensch, der länger als fünf Minuten darüber
nachdenkt, möchte dass Flugzeuge abgeschossen werden, die Terroristen an
Bord haben könnten, das Gesetz ist völliger Murks. Was tun? Grundgesetz-ändern-wollen. Wahnsinn.
Kein
Wunder, dass so viele Leute die Demokratie ablehnen. Hier behaupte ich im
übrigen, dass die Frage falsch gestellt war: Es ist irrelevant, ob
weniger als die Hälfte der Leute der Demokratie zutrauen, heutige
Probleme zu lösen, solange das Vertrauen in andere Regierungsformen noch
niedriger ist. Die relevante Frage lautet also, ob man es dem Staat
zutraut, unsere Probleme zu lösen. Und das sollte häufiger mal verneint
werden, auch wenn ich einen Beitrag weiter unten
das Gegenteil vertrete. Es ist - nebenbei - offenbar unmöglich, den
Wortlaut und die Einbettung der genauen Frage zu erhalten. Quelle ist
"ARD Deutschlandtrend November". Die vollständige Studie kostet
bei Infratest dimap €13,50. Das gebe ich lieber
nicht aus, sondern zweifle weiter.
PS:
Hayek und Myrdal bekommen für eine
gegensätzliche Meinung gleichzeitig den Wirtschaftspreis. Phelps (s.u.) bekommt ihn,
obwohl/weil er früher das Gegenteil von dem behauptete, was er heute tut.
Aber als Abgeordneter darf in ein und derselben Person am gleichen Tag
gegensätzliches von sich geben. Ich also auch.
|
|
|
|
Nov
2, 2006 --- Umwelt oder die Kosten eines Fehlers
Obwohl ich ja
qua Beruf marktgläubig bin, nehme ich den Bericht von Nicholas Stern über
den Stand der Dinge in Sachen Ökologie mal zum Anlass, ein interventionistisches Argument zu erläutern. Eins,
was ich so auch noch nicht gehört hab - siehe unten, auch hier markiere
ich mal vorsichtshalber mein Revier, wenn Greenpeace beraten werden
möchte, gegen Geld sehr gern.
Nehmen
wir das Öl. Es steht außer Frage, dass die Reserven nicht unendlich sind.
Uneinigkeit herrscht jedoch darüber, wie knapp das Öl tatsächlich ist,
und wie gut und schnell die Menschen sich anpassen können, sollte das Öl
einmal ganz ausgehen. Der Marktpreis von Öl spiegelt ohne jede Frage
seine Knappheit wieder, das ist bei Marktpreisen ja oft so. Allerdings
ist diese Knappheit nur als Erwartungswert begreifbar, so dass die
tatsächliche Dauer, in der der Öl noch zur
Verfügung steht, größer oder kleiner sein kann. Was gleichzeitig bedeutet,
dass der Ölpreis zu hoch oder niedrig sein könnte.
Auch
das allein ist noch kein Problem; sollten neue Informationen über die
Knappheit von Öl bekannt werden (z.B. in Form des überraschenden
Versiegens oder der Entdeckung neuer Ölfelder), springt der Preis wieder
ins Gleichgewicht, bzw. auf seinen Gleichgewichtspfad. Auf diesem Pfad
steigt der Ölpreis stetig an, was auch zu langsamen, stetigen
Ausweichreaktionen führt, z.B. durch den stetig steigenden Absatz von
Wagen wie dem Toyota Prius. Das ist alles eine
reine Reaktion auf Märkten, alles ist wunderbar.
Solche
Entwicklungen kann man natürlich forcieren, indem Substitute
für Ölverbrauch subventioniert werden, oder die Suche nach ihnen. Was
kann jetzt passieren, wenn man das tut und gleichzeitig aber die
Ölreserven unterschätzt hat? Dann greift man einer Entwicklung "weg
vom Öl" vor, die später als "natürliche" Reaktion
ebenfalls eingetreten wäre. Das kostet natürlich Geld. Wenn die Menge der
Reserven aber unterschätzt wird, dann ist die sprunghaft notwendige
Anpassung an die plötzliche Knappheit ebenfalls teuer, sogar in dem
Sinne, dass einige Menschen für eine gewisse Zeit auf Substitute
für Öl verzichten müssen, weil sie einfach noch nicht zur Verfügung
stehen (und erst entwickelt werden müssen).
Mein
Argument ist also: Da wir uns bei der Menge der natürlichen Ressourcen
nicht ganz sicher sein können, ist es vielleicht billiger, beim Preis
dieser Ressourcen und den damit verbundenen Anreizen auf Substitute auszuweichen, nicht vom
Erwartungswert auszugehen, sondern von einem ungünstigeren Szenario.
Diese Maßnahme enthält z.B. die Subventionierung der Suche nach
alternativen, nicht-endlichen Ressourcen, bzw. die Subventionierung ihres
Gebrauchs, und die Besteuerung der knappen Ressource wie Öl. Der Preis
(der Effizienzverlust), der dafür gezahlt werden muss, ist eine Art
Versicherungsprämie, und ich bin nicht davon überzeugt, dass der freie
Markt eine solche Versicherung leistet (oder leisten kann). Ich lasse
mich aber gern vom Gegenteil belehren.
|
|
|
|
Okt
23, 2006 --- Finanzpolitik
Ich hab's!
Bevor es mir jemand wegnimmt, muss das Revier markiert werden. Der
nächste Wahlkampf wird völlig anders aussehen. Warum hat die CDU bei der letzten
Bundestagswahl fast verloren, oder zumindest nicht so richtig gewonnen?
Schröder sagt es: Weil es so unfassbar einfach war, gegen den
"Professor aus Heidelberg" zu argumentieren. Das war so
einfach, weil die meisten Nicht-Steuerfachleute oder Volkswirte das
Prinzip des Grenzsteuersatzes nicht verstehen.
Deshalb
verkaufe ich mein neues politisches Konzept: Wir reden nicht mehr über
Grenzsteuersätze. Wir reden nur noch über (Durchschnitts-) Steuersätze.
Ein konstanter Grenzsatz mit Freibetrag führt so zu im Einkommen
steigenden Steuersätzen - na, wenn sich das nicht verkaufen lässt!
Finanzministerium, ich komme! Und wehe, der nächste Wahlkampf wird
tatsächlich auf dieser Basis geführt, ohne dass ich einen Pfennig dafür
gesehen hab.
Zu
was schwache Muskeln und dünne, kalte Luft doch führen kann, wenn der
Körper langsam Halluzinogene ausschüttet...
|
|
|
|
Okt
12, 2006 --- Weltverbesserungskommentar
Nichts mit
großen Würfen auf dieser Webseite, aber man muss sich ja über das
alltägliche schon genug aufregen. Teil 1: Irgendwann werde ich einen
Aufsatz mit dem Titel "Politik - Maschinerie des Vergessens"
schreiben. Vorgestern prahlt die Regierung mit einem Überschuss von 8
Mrd. Euro aus den Sozialversicherungen im ersten Halbjahr. Haben denn
alle vergessen, dass ein Großteil daher stammt, dass die Arbeitgeber die
Rentenversicherungsbeiträge seit dem 1. Januar 2 Wochen früher überweisen
müssen? Nur in der FTD eine klitzekleine Zeile darüber - wenn man diesen
Effekt (der nur einmal auftreten wird, schließlich kann man sich das Geld
nicht jedes Jahr aufs neue 2 Wochen früher
überweisen lassen) herausrechnet, bleibt ein Überschuss von 3 Mrd. Immer
noch toll, aber nicht mehr ganz so wie gedacht.
Teil
2: Ein paar Bundestagsabgeordnete klagen vor dem BVG wegen der geplanten
Veröffentlichungspflicht für Nebeneinkünfte von Abgeordneten. Vorn dabei:
Friedrich Merz, der meines Wissens nach in mehr
als einem Aufsichtsrat sitzt. Sein Argument: Mit diesem Gesetz werden nur
noch Beamte und Berufspolitiker ins Parlament wollen, weil sie ja nichts
anderes mehr arbeiten können.
Naja.
Erst
einmal ist das eine ziemliche Verdrehung der Tatsachen. Nicht die
Nebentätigkeit wird verboten, sondern die Einkünfte müssen offen gelegt werden.
Wer so sehr dagegen wettert, muss sich schon fragen lassen, warum
eigentlich. Außerdem müssen in Deutschland sehr viele Menschen bei sehr
vielen Gelegenheiten ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse
offenbaren, z.B. Studenten beim BaföG-Antrag, Hartz-4
Empfänger... Öffentlich Bedienstete müssen sich unter bestimmten
Voraussetzungen ihre Nebentätigkeit sogar genehmigen lassen!
Die
Alternative ist natürlich eine Herrschaft wie im alten Griechenland - es
ist mir egal, woher die Parlamentarier ihr Geld haben. Aber sie bekommen
dann auch nichts mehr für ihre Tätigkeit als Abgeordnete.
|
|
|
|
Okt
11, 2006 --- Die PKV sieht sich dem Markt hilflos ausgeliefert
So, heute morgen berichtet SPIEGEL Online: "Verbandschef
fürchtet 'Vorteilshopping' - Mit Nervosität verfolgen die Privaten
Krankenkassen die Pläne der Großen Koalition, den Zugang zu privatem
Versicherungsschutz zu erleichtern. PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach befürchtet, dass künftig jeder nur noch die
für ihn vorteilhafteste Variante wählen wird."
Liebe PKV, ich gebe zu, den Artikel gar nicht mehr zu Ende gelesen zu
haben. Aber entweder, die PKV ist das letzte Bollwerk gegen den
"Gesundheitssozialismus", dann dürfen sie sich wohl kaum
darüber beschweren, dass ihre Kunden Egoisten sind. Oder aber, und das
glaube ich viel eher, der Verband der PKV ist ein Lobbyistenverein
besonderer Güte, der es geschafft hat sich derart eng mit der Politik zu
verzahnen, dass diese absurde Trennung von GKV und PKV von niemandem mehr
in Frage gestellt werden darf, ohne eben als Sozialist zu gelten. Der
"freie Markt" ist dabei nur ein Vorwand, vielmehr geht es
darum, Pfründe in einem abgeschotteten, quasi-monopolisierten
Geschäft zu sichern.
Hoffentlich
liest das keiner aus der privaten Versicherungswirtschaft, vielleicht
will ich da mal arbeiten.
|
|
|
|
Okt
10, 2006 --- Phelps und die Playstation
(Oder: Das Alter.)
So, der Herr
Phelps also hat den Wirtschaftspreis bekommen.
Hoffentlich muss ich keinem erklären, wofür - ich habe das Gefühl, dazu zu
jung zu sein. Für meine Generation ist makroökonomische Politik
überbewertet (oder liegt das daran, dass ich kaum mit Makro-Leuten zu tun
hab), denn das, was funktionieren mag, wie stabile und unabhängige
Zentralbanken etc. ist zwar wichtig, inzwischen aber weitgehend
automatisiert. Ich bin überzeugt, dass "moderne"
Wirtschaftspolitik nicht unbedingt und ausschließlich neoklassisch zu
sein hat; bewegen kann man heute aber trotzdem mehr im Kleinen, bei den
Anreizstrukturen der verschiedensten Art, als durch das Drehen des ganz
großen Rades.
Nicht zu jung
und nicht zu alt dagegen bin ich für eine Playstation.
Bevor die neue demnächst rauskommt, ist die alte so günstig, dass man
sich schon fast überlegen kann, ob man an einem Freitag und Samstag Abend ausgeht oder sich lieber eine PS2 kauft.
Jetzt werde ich sicher auch ausgelacht, aber das ertrage ich gern, wenn
ich dafür mit einem getunten RX-8 durch die Gegend heizen kann (mehr hab
ich noch nicht freigefahren...).
Viel zu alt
dagegen bin ich, wenn ich mir als "junger" Streber-Autor noch
einen Namen machen will. M. Pessl und J.S. Foer sind meines Jahrgangs und schwer berühmt. Das
wird wohl nichts mehr. Also lieber ein bisschen PS2 zocken.
|
|
|
|
Okt
2, 2006 --- Positive externe Effekte von Armut
Ceterum Censeo: Kohl hat
die Spender immer noch nicht genannt.
Wie es so
ist, wenn man 4 Tage nur mit Ökonomen zu tun hat und dann heute auch noch
mit ihnen Essen geht - absurde Ideen. Wenn Menschen sich gern
vergleichen, und entgegen der ausschliesslich-klassischen
Theorie nicht nur an ihrer absoluten Position interessiert sind, hat
Armut dann positive externe Effekte? Um in einer Gesellschaft eine
Position zu erreichen, die in Relation zu anderen gut ist, müssen andere
schlechter sein als ich (also z.B. ärmer). Natürlich, das erinnert an den
Red Queen Effekt aus Alice im Wunderland, wo man immer rennen muss, um an
der Stelle zu bleiben; nur umgekehrt. Aber der anderen Armut macht mich
relativ reicher.
Damit
wird der Satz "Niemand ist so doof, dass er nicht als schlechtes
Beispiel dienen könnte", endlich wissenschaftlich fundiert. Und so
unglaubwürdig das auch ist: Ich wette, das gibt es schon längst.
|
|
|
|
Sept 21, 2006 --- Der Papst und
Popper
Ceterum Censeo: Kohl
hat die Spender immer noch nicht genannt.
Die
Regensburger Vorlesung von Papst Benedikt XVI hat mich zum Nachdenken
gebracht. Nicht wegen der Aussagen zum Islam, die für ein Strohfeuer im
Gehirn und auch in meiner Erregungssphäre sorgen, sondern das Thema, um
welches sich die Vorlesung ursprünglich drehte. Kann allein Vernunft als
wissenschaftliche Mittel zum Ziel der Wahrheitsfindung dienen? Um die
Antwort vorwegzunehmen: Nein.
Spätestens
seit Popper ist Falsifizierbarkeit der Maßstab für Wissenschaftlichkeit.
Zunächst soll das Theoriegebäude selbst in sich konsistent sein, als
Minimalanforderung, nächstens sollen sich aus diesem Theoriegebäude
deduktiv nomologische Hypothesen ableiten lassen,
deren Wahrheitsgehalt sich an der Realität messen lassen muss. Eine
solche Aussage könnte sein „Alle Schafe sind weiß“. Es sollte nicht lange
dauern, diese Aussage zu widerlegen, womit man entweder einen Fehler in
der Deduktion gemacht hätte, oder aber einen Fehler in der Theoriesphäre
selbst. Eine weitere Aussage wie „Alle Schafe sind Säugetiere“ konnte
bislang nicht widerlegt werden*, womit die Theorie, auf der
diese Aussage fußt, als vorläufig bestätigt gelten kann.
Nun
muss man für die Widerlegung eine Aussage die Realität beobachten, sie
messen und muss daher sicher sein, dass die beobachtete Realität
deckungsgleich mit der Realität selbst ist. Dieser Transfer mag manchmal
einfach sein (ich sehe ein schwarzes Schaf), manchmal etwas komplizierter
(ökonometrische Modelle). So einfach diese
Beobachtung aber scheinen mag, es bedarf einer weiteren Theorie, der
Messtheorie, die den Prozess des Beobachtens erst möglich macht. Und die
Messtheorie kann natürlich nicht verifiziert werden, wie jede andere Theorie
auch, sondern bestenfalls als „bislang noch nicht falsifiziert“ gelten.
Jegliche Wahrheitsfindung benötigt also mindestens die Annahme, die
Messtheorie sei wahr, obwohl diese Aussage im Rahmen der Wahrheitsfindung
gar nicht erlaubt ist.
Offensichtlich
ist das unbefriedigend, und es gibt die verschiedensten
Lösungsvorschläge, um sich aus diesem Dilemma zu befreien, sei es der
„Hard Core“ oder das „anything
goes“. Aber genauso offensichtlich ist es, dass
alle Lösungsvorschläge nur mit bestimmten Annahmensets hantieren, an die
man glauben muss, da sie axiomatisch sind. Ich komme also zu dem Schluss,
das letztgültige Wahrheitsfindung (a) entweder nicht möglich ist oder (b)
nicht allein mit den Mitteln der Vernunft möglich ist. Damit soll kein
Tor für den Einfall der Religion in die anderen Wissenschaften geöffnet
werden, denn es könnte immerhin sein, dass das Ziel einer letztgültigen
Wahrheit schlicht ein falsches ist.
* Wir
wollen mal davon absehen, dass diese Aussage auch eine Tautologie sein
könnte, also zwingend, weil eben „Säugetiere“ und „Schafe“ so definiert
sind, dass die letzteren als Untermenge der anderen zu gelten haben. Ich
bin kein Zoologe.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Auf
diesen Seiten wird ganz absichtlich nur simples HTML benutzt, was ich zur
Not auch selbst schreiben kann. Deshalb muss ich auf solch eine hippe, fancy
Kommentar-Funktion leider verzichten. Das soll nicht bedeuten, dass keiner kommentieren
darf; wer sich dazu berufen fühlt, der schicke mir bitte eine Mail, an stefan (at) stefan-hupfeld.de,
dann setze ich den Kommentar manuell rein!
|
|
|
|
|
|
|